Abstieg! St. Pauli muss zurück in die Zweite Liga – Tränen auf Rasen und Tribünen

Jackson Irvine und Hauke Wahl sind fassungslos.
Jackson Irvine und Hauke Wahl sind fassungslos.

Um 17.25 Uhr war alles vorbei. Mit dem Abpfiff des „Endspiels“ gegen den VfL Wolfsburg verabschiedete sich der FC St. Pauli nach zwei Jahren Erstklassigkeit wieder in die 2. Liga. Mit 1:3 (0:1) verloren die Hamburger die Partie, viele sanken enttäuscht zu Boden, es flossen erste Tränen. „You’ll never walk alone“ tönte aus den Lautsprechern, und auf allen Tribünen hielten die Zuschauer:innen ihre Schals nach oben, sangen inbrünstig mit. Viele tausend Menschen litten gemeinsam, nahmen sich gegenseitig in den Arm, weinten zu „Das hier ist Fußball“ von Thees Uhlmann.

Bei der Pleite gegen den direkten Konkurrenten gab es diverse Punkte zu erkennen, die den Kiezklub nahezu durch die komplette Spielzeit begleitet haben. Das ging schon vorm Anpfiff los, als klar war, dass in Eric Smith eine absolute Säule gar nicht im Kader stand. Der Magen-Darm-Virus hatte den Schweden außer Gefecht gesetzt, es war der x-te personelle Rückschlag in den vergangenen zehn Monaten.

Dann gab eine Szene, die die komplette Saison des FC St. Pauli fast in wenigen Sekunden zusammengefasst hätte. Es lief gerade noch Minute 22, als sich Joel Chima Fujita ein Herz nahm und den Ball aus 20 Metern gen VfL-Tor wuchtete – und nur die Unterkante der Latte traf. Das Spielgerät sprang wieder raus, wurde geklärt und führte postwendend zu einem Konter, in dem Wolfsburgs Daghim mutterseelenallein auf Nikola Vasilj zulief. Die Führung der Gäste wäre so typisch gewesen für das, was in dieser Spielzeit mit Braun-Weiß geschieht, doch der Bosnier parierte glänzend (23.).

Koulierakis lässt Millerntor verstummen

Nicht zum letzten Mal an diesem Nachmittag, unter anderem hielt er bravourös erneut gegen Daghim (37.). Bei der anschließenden Ecke aber konnte der 30-Jährige sich nicht durchsetzen, wurde fair geblockt, so dass der unmittelbar vor ihm stehende Koulierakis per Kopf verlängerte und das Runde im Eckigen versenkte (38.). Die bis dahin unfassbar laute Kulisse verstummte ad hoc, ausgenommen natürlich die 3000 Wolfsburger, die fleißig Raketen und anders Pyro-Material verballerten.

Apropos verballerten: Es gab sie dann aber doch noch, die Sequenz, die als Blaupause für das Offensivspiel St. Paulis 2025/26 dienen durfte. Der starke Martijn Kaars brachte die Murmel mustergültig und flach quer durch den VfL-Strafraum, am zweiten Pfosten stand Andréas Hountondji blitzeblank – und schaffte es, die Kugel frei vorm leeren Tor so zu verstolpern, dass Gäste-Keeper Grabara zugreifen konnte (42.). Unfassbar.

Ceesay bringt frischen Schwung in der Offensive

Und doch nicht das Ende. Für Hountondji kam zu Wiederbeginn Abdoulie Ceesay. Und der machte einfach weiter wie in den vergangenen beiden Wochen, als er gegen Mainz und in Leipzig getroffen hatte. Nach Eckball von Connor Metcalfe war Ceesay per Kopf zur Stelle, traf unhaltbar aus wenigen Metern zum 1:1 (57.). Das Stadion wieder da, die Chance auf die Relegation, weil Heidenheim gegen Mainz 0:2 hinten lag – und dann meldete sich noch der dritte Faktor, der in dieser Saison nahezu nie pro St. Pauli zutage trat: der VAR respektive die Schiri-Zunft.

Zunächst boxte sich Vasilj einen Eckball unter arger Bedrängnis selbst in die Maschen. Referee Daniel Siebert aus Berlin wurde an den Bildschirm gebeten, um ein mögliches Foul am Schlussmann zu checken, fand aber partout keines. Der Treffer zählte (64.). Und kurz darauf entschied Siebert dann, abermals nach VAR-Intervention auf Elfer für den VfL. Tomoya Ando war der Ball beim Klären an den Arm gesprungen. Zwar setzte Eriksen den Strafstoß an die Querlatte (77.), doch der vermeintliche Elan verpuffte nach nur drei Minuten. Da traf Pejcinovic per Abstauber zum 1:3.

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Und damit war das letzte Fünkchen Hoffnung erloschen. Bei der Mannschaft, die die Partie mit Würde zu Ende brachte. Und bei den Fans, die nahezu komplett verstummten und später dann, nach den Momenten der Trauer, fast schon trotzig laut und voller Leidenschaft die Lieder mitsangen.