Der Kiezklub hat reagiert: St. Pauli feuert Trainer André Schubert!

Der FC St. Pauli hat sich von Trainer André Schubert (41) getrennt.
Bongarts/Getty Images
Ein unansehnliches 0:1 gegen Aufsteiger VfR Aalen, eine weitere Pleite am Millerntor, ein Rang im unteren Tabellendrittel – die Bosse des FC St. Pauli hatten genug. Dienstagnacht, nur wenige Stunden nach Abpfiff, beschloss das Präsidium in einer Krisensitzung die Beurlaubung von Trainer André Schubert.
Beim Auswärtsspiel am Freitag in Regensburg (18 Uhr, Liveticker auf MOPO.DE) übernimmt dessen Assistenten-Trio Thomas Meggle, Timo Schultz und Mathias Hain vorübergehend die Verantwortung. „Die lang anhaltende sportliche Talfahrt hat uns bewogen und gezwungen, diesen Schritt zu vollziehen. Das Team war höchst verunsichert, das können und wollen wir uns nicht länger ansehen“, erklärte Präsident Stefan Orth am Mittwochmittag die knallharte Entscheidung, sprach aber im selben Atemzug von einem „traurigen Tag“.
Dass mit der „lang anhaltenden Talfahrt“ nicht nur die mickrigen sechs Punkte aus sieben Spielen gemeint sind, erklärt Vize Jens Duve. Der frühere Profi der Braun-Weißen: „Wir sehen die Entwicklung seit Jahresbeginn. Wir haben keine Weiter-, sondern eher eine Rückwärtsentwicklung erkannt.“
Der Kiezklub hat reagiert – vielleicht zu spät? Bereits nach dem letzten Spiel der vergangenen Saison galt Schubert de facto als gefeuert, weil ihm große Defizite im zwischenmenschlichen Bereich vorgeworfen worden waren. Doch dann durfte der 41-jährige Coach, der sich selbst mit seinem Aus auf dem Kiez abgefunden hatte, doch bleiben – aus bis heute nicht nachvollziehbaren Gründen. Gehen musste dagegen Manager Helmut Schulte. Orth ist überzeugt: „Es war damals richtig, Schubert eine zweite Chance zu geben.“
Im zwischenmenschlichen Bereich habe sich Schubert auch gebessert, so Orth – was Sportchef Rachid Azzouzi zumindest ansatzweise bestätigt: „Es hat zuletzt keine tiefen Risse zwischen Mannschaft und Trainer gegeben.“ Von einem optimalen Verhältnis könne dagegen nicht die Rede sein: „Ich hatte das Gefühl, die Stimmung war vorbelastet. Wir brauchen wieder ein komplettes Miteinander.“ Und: „Wenn man bei der Mannschaft Verunsicherung und Ängstlichkeit feststellt, dann muss man frühstmöglich die Reißleine ziehen.“
Schubert ist auch am scheinbar übermächtigen Schatten seines Vorgängers Holger Stanislawski und seiner Andersartigkeit gescheitert: „Ich hatte immer das Gefühl, dass man eine Kopie wollte – und die mochte ich nicht sein.“ Bitter für Schubert: Ausgerechnet an Stanis 43. Geburtstag schmiss ihn der FC St. Pauli raus.
Schubert: „Ich hätte mir mehr Rückendeckung gewünscht“
Nach seiner Entlassung stellte sich André Schubert im Radisson-Hotel am Dammtor. Dort, wo er sich am Tag zuvor mit den Kiezkickern auf die für ihn verhängnisvolle Partie gegen Aalen vorbereitet hatte.
In Jeans, Turnschuhen und schwarzem Pullover berichtete er, wie schwer ihm der Abschied von den Spielern gefallen sei: „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie nicht an sich zweifeln sollen: ‚Nehmt das als einen Neuanfang, spielt befreit auf!‘“ Viel mehr habe er nicht reden können: „Ich wollte vor der Mannschaft nicht rumflennen.“
Der 41-Jährige konstatierte, dass ihm die Gespräche mit einzelnen Spielern stets viel gegeben hätten, vor allem auf menschlicher Ebene. Er habe es genossen, mit „großen Persönlichkeiten wie Fabian Boll, Florian Bruns oder auch Benedikt Pliquett als Typen“ zu tun gehabt zu haben.
Der ständige Vergleich im Verein mit Holger Stanislawski habe ihm ebenso geschadet wie die Tatsache, dass ihm die alleinige Verantwortung beim Weggang verdienter Spieler zugeschustert wurde: „Das wurde immer im Gremium entschieden.“
Zudem deutete er Kommunikationsprobleme mit den Bossen an: „Wir hatten Rahmenbedingungen besprochen, doch der direkte Kontakt wurde nicht aufrechterhalten.“ Vor allem aber vermisste er dies: „Ich hätte mir mehr Rückendeckung gewünscht, dass wir mit einem Masterplan alle in eine Richtung gehen.“
Wird Marco Kurz jetzt der neue Coach?
Der ehemalige Lautern-Coach Marco Kurz, der am 20. März nach 16 sieglosen Spielen von den Pfälzern gefeuert wurde, steht wie schon im Mai ganz weit oben auf der Kandidatenliste. Der 43-Jährige gilt eher als Stani-Typ und würde somit gut zum Kiezklub passen.
Markus Thorandt (l.) und Christopher Avevor (h.) versuchen gegen Michael Klauß an den Ball zu kommen.
Markus Thorandt (l.) sieht kein Foulspiel, obwohl er Michael Klauß (r.) an der Seitenlinie von den Füßen geholt hat.