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Im Land der Seen: Künstler, Kirchen und Keramik in der Mecklenburgischen Schweiz

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Der Kummerower See

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Christin Drühl, hfr

Auf dem Weg an die Küste lassen die meisten Urlauber die Mecklenburgische Schweiz links liegen. Ein großer Fehler. Dieser landschaftlich besonders schöne, dünn besiedelte Landstrich ist eine Entdeckungsreise wert. Oder besser gesagt: es gibt genug für mehrere Entdeckungsreisen zu sehen.

Eckart Hübener nimmt seinen Hut und den Pilgerstock und macht sich mit einer kleinen Wandergruppe auf, um den Kapellenweg zu erkunden. Der Pastor im Ruhestand kennt jeden Winkel dieses 35 Kilometer langen, neuen Wanderweges, schließlich hat er ihn selbst mit entwickelt. „Wir haben hier so viele kleine Dörfer, die alle keinen Mittelpunkt mehr haben. Ich habe herausgefunden, dass in jeder Ortschaft bis zum Dreißigjährigen Krieg eine Kapelle stand. Mein Ziel ist es, diese Standorte wieder zu Treffpunkten zu machen.“

Und so stiefelt er los nach Hinrichshagen wo ein Kreuz und ein paar Steinbänke den Standort einer früheren Kirche markieren. Nur wenige Kilometer weiter gibt es die Kirchenruine Domherrenhagen zu bestaunen. Ein perfekter Picknickplatz und die geheimnisvolle Kulisse für zahllose Gruselgeschichten und Sagen, von denen Ekki, wie ihn die Gruppe inzwischen freundschaftlich nennt, ein schier unerschöpfliches Repertoire bereit hält. Beim Weiterwandern erzählt er von Ehebruch und Elfen, von Geistern, Kobolden und von Mord und Totschlag.

Pfarrhaus Rambow

Das Pfarrhaus in Rambow beherbergte bereits den weltbekannten Geiger Yehudi Menuhin.

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Anke geffers

So spannend sind die alten Geschichten, dass wir kaum merken, inzwischen in Ulrichshusen angelangt zu sein. Auf einem Hügel direkt am See liegt das Renaissance-Wasserschloss, das wegen seiner hochkarätigen Musikveranstaltungen im ganzen Land bekannt ist. Gut essen und übernachten kann man hier übrigens auch. „Bevor das Schloss zum Hotel umgebaut wurde, hat Yehudi Menuhin bei mir im Pfarrhaus in Rambow übernachtet“, erzählt Ekki. Kurz nach der Wende war das und sehr nett und bescheiden sei der weltberühmte Geiger gewesen. Seine Zimmer vermietet der Pastor noch heute als Ferienwohnung.

Von Rambow aus muss man schon ein bisschen fahren, um in den nächsten Ort zu kommen. In der Mecklenburgischen Schweiz wohnen nur 13 Menschen auf einem Quadratkilometer, rund um Düsseldorf sind es knapp 1200. Rund 15 Minuten dauert es bis nach Teterow, auf dem Weg dorthin lohnt sich noch ein Abstecher in Panschenhagen, wo der Keramiker Friedemann Henschel in seiner Werkstatt in einem renovierten Gutshaus an seinen rundlichen Frauenfiguren arbeitet.

Friedemann Henschel

Friedemann Henschel mit zwei seiner Arbeiten.

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Anke Geffers

Die kleinen Dickmadams hängen und sitzen im Garten herum und bringen die meisten Besucher zum Lachen und einige Gäste nehmen ihre Lieblingslady gleich mit nach Hause. Auch Henschels Frau Sylvia ist Künstlerin, aber vor allem ist sie eine Macherin. Eine Frau mit vielen Ideen, die sofort in die Tat umgesetzt werden. Einer ihrer genialen Coups: Henschel schaffte es mit Hilfe von Fördergeldern, den verfallenen Teterower Bahnhof zu einem neuen Treffpunkt umzubauen. Mit Galerie, Friseur, Restaurant und Schmuckausstellung.

Für Überraschung sorgt ein Besuch im Schloss Kummerow. Kunstliebhaber aus aller Welt kommen in die tiefste Provinz, um einer der umfangreichsten deutschen Privatsammlungen zeitgenössischer Fotografie zu bestaunen. Ein absolut lohnenswerter Abstecher. Auch Literatur von Weltformat entstand in der Mecklenburgischen Seenplatte. In Carwitz lebte und arbeitete der Schriftsteller Hans Fallada. Wohnhaus und Einrichtung sind so geblieben wie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. So ist es in der Mecklenburgischen Schweiz: alles wie früher – und trotzdem so viel im Umbruch.

Info:
www.mecklenburgische-schweiz.com
www.mecklenburgische-seenplatte.de

Zu einer Odyssee mit 25 Touren durch die Mecklenburgische Seenplatte lädt eine neue Broschüre ein: www.galerie-teterow.de