Zerstörerische Kraft der Verblendung: „Das Bildnis des Dorian Gray“ im Malersaal
Oscar Wilde war sich seiner Schwächen bewusst. Das hat ihn in die Lage versetzt, Eitelkeiten, Verletzlichkeiten, den Größenwahn, den Egoismus, die Grausamkeit der anderen zu sehen und offenzulegen. Unter der glänzenden Oberfläche seiner Funken sprühenden Werke tun sich bisweilen Abgründe auf.
Sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ setzt sich sehr explizit mit Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Mit Schönheit und Vergänglichkeit. Im Malersaal des Schauspielhauses inszeniert der junge Regisseur Tristan Linder den doppelbödigen Stoff und balanciert dabei den märchenhaften, verspielten Ansatz sehr schön mit der zerstörerischen Kraft der selbstverschuldeten Verblendung aus.
Exzellente Inszenierung des „Dorian Gray“

Dorian Gray ist einer von uns: Schauspieler Christoph Jöde sitzt im Publikum, bevor er von Maler Basil Hallward (Yorck Dippe) nach vorne geholt, also quasi „ausgestellt“ wird. Das Porträt, das er von dem jungen Mann angefertigt hat, soll in einer Art Teufelspakt altern, während Dorian so jung bleiben wird, wie er ist. Nicht zuletzt die dandyhaften Lebensweisheiten des Lord Henry Wotton (Christiane von Poelnitz) sind dafür die Ursache, der da sagt: Genieße das Leben! Sei wild und verschwenderisch! Mach doch, was du willst. Oder eben: „Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist ihr nachzugeben.“ Selbst wenn man damit über Leichen geht, etwa die der jungen Schauspielerin Sibyl (Henni Jörissen).
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Es kommt, wie es kommen muss: Dorians Existenz strudelt sich ins Chaos. Auch das wird im Malersaal plastisch dargestellt. Erst ist die Welt eine Szenerie in einem überdimensionierten Goldrahmen, nun versinkt sie in Bergen aus Tand. Dieser „Dorian Gray“ ist exzellent und trifft den Geist seiner Vorlage. Oscar hätte es bestimmt gefallen!
Schauspielhaus/Malersaal: 19./21.4., 15./17./31.5., div. Zeiten, 25 Euro, ggfs. Restkarten, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de

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