Szene aus „Das Bildnis des Dorian Gray“

Dorian Gray, porträtiert vom Maler Basil Hallward (Yorck Dippe, r.), und sein Freund Lord Henry Wotton (Christiane von Poelnitz) Foto: Julia Sang Nguyen

Zerstörerische Kraft der Verblendung: „Das Bildnis des Dorian Gray“ im Malersaal

kommentar icon
arrow down

Oscar Wilde war sich seiner Schwächen bewusst. Das hat ihn in die Lage versetzt, Eitelkeiten, Verletzlichkeiten, den Größenwahn, den Egoismus, die Grausamkeit der anderen zu sehen und offenzulegen. Unter der glänzenden Oberfläche seiner Funken sprühenden Werke tun sich bisweilen Abgründe auf.

Sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ setzt sich sehr explizit mit Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Mit Schönheit und Vergänglichkeit. Im Malersaal des Schauspielhauses inszeniert der junge Regisseur Tristan Linder den doppelbödigen Stoff und balanciert dabei den märchenhaften, verspielten Ansatz sehr schön mit der zerstörerischen Kraft der selbstverschuldeten Verblendung aus.

Exzellente Inszenierung des „Dorian Gray“

Dorian (Christoph Jöde) inmitten des ganzen Tands, mit dem er sich umgibt Julia Sang Nguyen
Ein Mann steht in einem langen Kleid auf der Bühne zwischen zahlreichen wahllosen Gegenständen.
Dorian (Christoph Jöde) inmitten des ganzen Tands, mit dem er sich umgibt

Dorian Gray ist einer von uns: Schauspieler Christoph Jöde sitzt im Publikum, bevor er von Maler Basil Hallward (Yorck Dippe) nach vorne geholt, also quasi „ausgestellt“ wird. Das Porträt, das er von dem jungen Mann angefertigt hat, soll in einer Art Teufelspakt altern, während Dorian so jung bleiben wird, wie er ist. Nicht zuletzt die dandyhaften Lebensweisheiten des Lord Henry Wotton (Christiane von Poelnitz) sind dafür die Ursache, der da sagt: Genieße das Leben! Sei wild und verschwenderisch! Mach doch, was du willst. Oder eben: „Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist ihr nachzugeben.“ Selbst wenn man damit über Leichen geht, etwa die der jungen Schauspielerin Sibyl (Henni Jörissen).

Das könnte Sie auch interessieren: Aufwühlend und intensiv: „Der Überläufer“ zeigt die Schrecken des Krieges

Es kommt, wie es kommen muss: Dorians Existenz strudelt sich ins Chaos. Auch das wird im Malersaal plastisch dargestellt. Erst ist die Welt eine Szenerie in einem überdimensionierten Goldrahmen, nun versinkt sie in Bergen aus Tand. Dieser „Dorian Gray“ ist exzellent und trifft den Geist seiner Vorlage. Oscar hätte es bestimmt gefallen!

Schauspielhaus/Malersaal: 19./21.4., 15./17./31.5., div. Zeiten, 25 Euro, ggfs. Restkarten, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de

Der Plan7 vom 17. April 2026 MOPO
Der Plan7 vom 17. April 2026
Der Plan7 vom 17. April 2026

Dieser Tipp kommt aus Plan7, der Kultur- und Veranstaltungsbeilage in der neuen WochenMOPO (jeden Freitag neu am Kiosk, hier im günstigen Kennenlern-Abo). Plan7 – das sind 28 Seiten voller Kultur und Inspiration für Ihre Freizeit: Kultur-Tipps für jeden Tag der Woche, Tipps für Gastro-Fans und für Hamburg- und Umland-Entdecker. Dazu gibt’s Interviews und Verlosungen für Konzerte, Lesungen, Shows und mehr.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test