Wunderbares Schauspiel-Spektakel: Charles Dickens’ „Hard Times“ im Thalia-Theater
Ein menschengemachtes Feuer lodert: Leicht pyramidenartig kniet sich das Ensemble zusammen auf der Bühne und erzeugt nur mit Schnippen, Klatschen und wedelnden Armen die züngelnden Flammen. Diese kurze Szene repräsentiert im Kern, was Antú Romero Nunes am Thalia-Theater bei seiner Charles-Dickens-Adaption „Hard Times“ anstellt. Verspielt, überraschend und oftmals bezaubernd reiht sich Idee an Idee.
Weitere Beispiele gefällig? Julian Greis lässt seine Kollegin Cathérine Seifert an einem Zaun in sein Schnupftuch schnäuzen, obwohl sie einige Meter von ihm entfernt steht. Cino Djavid wechselt als Zirkusdirektor und eine Art Erzähler des Abends Stimme und Stimmung wie ein Chamäleon sein Schuppenkleid.
Lisa Hagmeister presst sich gerade noch ein Kühlpack auf den herrlich grummeligen Gattinnenkopf und steht gleich darauf als Arbeiter Stephen in Hosen und Schiebermütze parat. Denis Grafe spricht die ganze Zeit wie der Synchronsprecher einer US-Fernsehserie. Lisa-Maria Sommerfeld kreischt als fulminantes Zirkusmädchen Sissy beim Anblick ihres Lehrers: „Oh nein, ein LEG!“ (Grüße gehen raus an die Lehrer:innen und Schüler:innen im Publikum – LEG steht für Lernentwicklungsgespräch).
Inszenierung beweist Mut zum Quatsch
Die Inszenierung greift mit Witz und Präzision ganz tief in die Trick- und Zauberkiste. Und sie beweist Mut zum Quatsch. Das ist zunächst erstaunlich. Denn der Dickens-Stoff ist ja durchaus harte Ware.
Der Roman erzählt eine Geschichte von zwei Städten – und zwar in einer: In dem nordenglischen Industriestandort Coketown stehen sich die Gegensätze gegenüber – Reichtum und Armut, Macht und Ohnmacht, züchtige Disziplin und chaotischer Wanderzirkus. Die gesellschaftlichen Verwerfungen trimmt Regisseur Nunes gekonnt und lustvoll auf Komödie. Und warum auch nicht?
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Damit beschenkt er sich, sein grandioses Ensemble und uns mit einer dreistündigen Schauspiel-Show, die einfach durchgängig Spaß macht. Und außerdem ist es ein Plädoyer für die Fantasie und das Erzählen. Und das kann ja durchaus politisch sein: Denn „die Wirklichkeit biegt sich nach Geschichten“, heißt es am Schluss dieses herausragenden Theaterabends.
Thalia-Theater: 2./14./16.5., diverse Zeiten, 12-59 Euro, Tel. 32 81 44 44, thalia-theater.de

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