Eine Frau und ein Mann lehnen an einer schiefen Wand.

Freunde und Seelenverwandte: Leif und Ida (K, Nayana Heuer) Foto: Oliver Fantitsch

„Windstärke 17“: Erwachsen werden ist nichts für Feiglinge

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Die Kernbotschaft, die sich am Ernst-Deutsch-Theater aus „Windstärke 17“ herausschält: Erwachsenwerden ist nichts für Feiglinge. Das Stück basiert auf dem Roman von Caroline Wahl. Die Autorin schreibt darin die mit ihrem Bestseller „22 Bahnen“ begonnene Geschichte weiter. Doch steht im Fortsetzungsband nun nicht mehr Tilda im Mittelpunkt des Geschehens, sondern ihre kleine Schwester Ida, jetzt eine junge Frau Anfang 20.

Mühsam kämpft sie sich nach dem Tod der alkoholkranken Mutter zurück ins Leben – plötzlich gezwungen, erwachsen zu werden und sich ihren traumatischen Erlebnissen zu stellen. Gute zwei Stunden berührt und bewegt Idas Schicksal in der hervorragend gelungenen Bühnenversion, die ihrer starken Romanvorlage voll und ganz gerecht wird, Theaterbesucherinnen und -besucher.

Feinfühliges und bewegendes Drama

Gefangen nimmt vor allem das intensive Spiel der Hauptdarstellerin. Die ausdrucksstarke Nayana Heuer spielt sich die Seele aus dem Leib. Als chaotisch-laute Ida muss sie einem (text-)gewaltigen Gefühlssturm aus Trauer und Frust, Schuldgefühlen und seelischem Schmerz trotzen. Und umzugehen lernen mit diesem „Wutklumpen, von dem sie nicht weiß, gegen wen oder was er sich richtet“.

Ida und ihre Ersatzfamilie (Murat Yeginer, Nayana Heuer, Dagmar Bernhard, Nina Carolin und K, v. l.) Oliver Fantitsch
Mehrere Schauspieler sitzen auf einem Holzgerüst auf einer Bühne.
Ida und ihre Ersatzfamilie (Murat Yeginer, Nayana Heuer, Dagmar Bernhard, Nina Carolin und K, v. l.)

Ihre Geschichte beginnt mit dem zwar erwartbaren, aber dennoch unerwartet plötzlichen Ende ihres bisherigen (Kinder-)Lebens. Fluchtartig verlässt Ida – wenige Tage nachdem sie ihre Mutter tot zu Hause aufgefunden hat – ihre kleine Heimatstadt in der Nähe Münchens. Doch Ida reist nicht zu Tilda (fürsorglich: Nina Carolin) und deren Familie. Auf der Suche nach Distanz landet sie auf Rügen. Hier findet sie alles, was ihr Halt gibt: Arbeit, liebevolle Ersatzeltern in Knut (Murat Yeginer) und Marianne (Dagmar Bernhard) und in DJ Leif (dargestellt vom Schauspieler K), der sich ebenfalls auf die Insel zurückgezogen hat, einen Seelenverwandten.

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Gemeinsam kämpfen sie auf einer zweiten Spielfläche in Form einer Riesenwelle auf der Drehbühne gegen emotionale Überflutungen. Feinfühlig inszenierte Regisseurin und Mit-Intendantin Ayla Yeginer in diesem atmosphärisch dichten Bühnenraum (Ausstattung: Telse Hand) die Uraufführung als tiefgründige und auch Mut machende Geschichte über zwei Menschen an einem Wendepunkt ihres Lebens.

Ernst-Deutsch-Theater: 4./5.4. und 6.-12.5., diverse Uhrzeiten, 23-45 Euro, Tel. 22 70 14 20, ernst-deutsch-theater.de

Der Plan7 vom 2. April 2026 MOPO
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