Köchinnen von „Chickpeace“ stehen in einer Küche

Die Köchinnen von „Chickpeace“, einem Cateringservice von geflüchteten Frauen, kommen in der Ausstellung zu Wort – direkt daneben werden historische Kochbücher aus Norddeutschland gezeigt. Foto: Bettina Theuerkauf

Was heißt hier Heimat? Museum wirft einen kritischen Blick auf unsere Geschichte

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Man muss kurz in die Geschichte eintauchen, um die Idee zu verstehen: 1901 wurde das Altonaer Museum unter seinem Gründungsdirektor Otto Lehmann eröffnet, ein „Heimatmuseum“, eine „Volksbildungsstätte“, die die schon damals großstädtische Bevölkerung norddeutsche Kulturgeschichte lehren sollte. Und so sammelte man Keramiken und Trachten, rekonstruierte Bauernstuben, um an das zu erinnern, was damals schon am Verschwinden war: norddeutsches Brauchtum einer ländlich-bäuerlichen Lebensweise. Die Ausstellung „Was heißt hier Heimat?“ bringt uns nun zurück zu diesen Anfängen des Museums – mit einem kritischen Blick.

Um Macht, Zugehörigkeit und Gemeinschaft geht es in dieser Schau. Eine „Heimatbibliothek“ bringt Literatur zu dem Thema von Heimat, Beheimatung, Wahlheimat oder Heimatlosigkeit zusammen – und auch die Rolle von Otto Lehmann in der NS-Zeit wird beleuchtet, zwischen historischen Bauernhausmodellen und Bauernstuben. Damals, so sehen wir, hatten Museen eine überaus nationalkonservative Vorstellung von Heimat. Aber wie ist es heute?

Fragen zu Identität und Zugehörigkeit

Die Stolze: „Altonia“ ist ein Ölgemälde von Otto Markus aus dem Jahr 1900. SHMH-Altonaer Museum
Ölgemälde „Altonia“
Die Stolze: „Altonia“ ist ein Ölgemälde von Otto Markus aus dem Jahr 1900.

Die Frage, was Heimat bedeutet, die treibt uns immer noch um. In der Ausstellung sind historische Kochbücher aus Norddeutschland zu sehen, doch auch Köchinnen der Initiative „Chickpeace“ kommen in der Schau zu Wort, eines Catering-Unternehmens von geflüchteten Frauen. Ebenso zu sehen ist etwa die Fotografie einer Vierländerin von Corina Gertz aus der Serie „Das abgewandte Porträt“ – genau wie auch Malerei aus dem 19. Jahrhundert von Julius Weyde, der ebenfalls ein Mädchen in Vierländer Tracht gemalt hat.

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Heimat ist in unserer heutigen Welt ein vielschichtiger, emotional aufgeladener Begriff. Das zeigt auch diese Ausstellung über ein Altona, das im Laufe der Jahrhunderte Zufluchtsort und Heimat für ganz unterschiedliche Kulturen wurde. „Heimat“ ist ein lebendiger, sich ständig wandelnder Ausdruck persönlicher und kollektiver Erfahrungen. Und so ist diese Schau eine wertvolle Gelegenheit, über die sozialen, politischen und emotionalen Dimensionen von Heimat nachzudenken. Sie stellt nicht nur Fragen zu Identität und Zugehörigkeit, sondern fordert dazu auf, Heimat als einen flexiblen und offenen Raum zu begreifen, der immer wieder neu definiert werden muss.

Altonaer Museum: Bis 16.3., Mo/Mi/Do/Fr je 10-17 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr, 8,50 Euro, shmh.de

Der Plan7 vom 21. November 2025 MOPO
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