Szene von „Sankt Falstaff“ auf der Bühne

Machthaber Heinz (André Szymanski) erkennt, dass seine Kräfte schwinden; er sucht einen Nachfolger. Foto: Krafft Angerer

Von Macht und Ohnmacht: „Sankt Falstaff“ – brillante Performance am Thalia-Theater

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Der Körper eines Herrschers ist eine delikate Angelegenheit. Denn was passiert, wenn der Regent in einer Autokratie stirbt? Ist die Nachfolge nicht geregelt, bringt das Machtvakuum das ganze Gemeinwesen ins Wanken. Und der Throninhaber möchte sein „Erbe“ gesichert sehen, am liebsten innerhalb der eigenen Familie.

​Wird er sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst, ist der Rest seines Lebens oft bestimmt vom verzweifelten Versuch, „sich zu verlängern in der Zeit auf ewig hin“. Das ist der Wunsch von Heinrich alias „Heinz“. Und das ist der Auslöser für jede Menge politischer und persönlicher Verwicklungen.

Neu-Interpretation von Shakespeares „Henry IV“

„Sankt Falstaff“ beruht auf dem Shakespeare-Stück „Henry IV“. Der österreichische Autor Ewald Palmetshofer hat die Texte in die heutige Zeit (oder eine baldige Zukunft) übertragen, und dabei ist eine sehr spannende Neu-Interpretation entstanden. Es ist kein König, dessen Zeit abgelaufen ist, sondern ein Despot in einem Hightech-Überwachungsstaat. Die Sprache wechselt nahtlos zwischen einem ordinären Alltagsidiom und einer stilisierten lyrischen Form. „Sankt Falstaff“ ist ein sehr eigenständiges Kunst-Stück.

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Regisseurin Luise Voigt und ihr Team errichten in der Bühnenmitte eine große Pyramide. Sie ist Thron und zugleich Sinnbild für die Kluft zwischen oben und unten. Auf ihrer anderen Seite öffnet sich eine Bar, in der sich die party-affine Szene trifft. Mittendrin: Harri (Marius Huth), der Sohn von Heinz, der orientierungslos durchs Dasein wankt. Und John Falstaff, die eigentliche Hauptfigur.

Julian Greis brilliert als Falstaff

Falstaff ist kein Hamlet, Lear oder Othello, aber er ist dennoch eine waschechte Tragödienfigur. Julian Greis spielt ihn herausragend als queeren Säufer, zwischen Selbsthass und Gossenweisheit. Harri und er beginnen eine toxische Affäre, an deren Ende es dem Sohn tatsächlich gelingt, an die Spitze der Macht zu gelangen. Doch Falstaff schubst er zurück in den Dreck.

„Sankt Falstaff“ ist eine beeindruckende Charakterstudie in einer dystopischen Welt. Und im Fokus stehen immer die Körper der Akteure: stark, verletzlich, verfallend, schleichend, ekelhaft, elegant.  

Thalia-Theater: 5., 10., 13., 26.3., 19-59 Euro, Tel. 32 81 44 44, thalia-theater.de

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