Viel mehr als ein Konzert: Rio Reiser – Hommage an den Musiker und Rebellen
Ralph geht gar nicht als Vorname, erst recht nicht mit ph. Dachte sich ein junger Mann Ende der 60er Jahre – und nannte sich fortan Rio Reiser. 2025 wäre der unvergessene Künstler 75 geworden. Ihm, seinen Liedern und seiner rebellischen Gedankenwelt ist ein zweistündiger Abend gewidmet: „Irrlichter – Hommage an Rio Reiser“.
Den gestaltet das Trio Dana Golombek, Frank Leo Schröder und Kai Dannowski singend und spielend an Cello, Saxofon und Piano. Dabei verweben die drei bekannte und weniger populäre Lieder mit O-Tönen Reisers aus Büchern und Interviews. So wird der 1996 viel zu früh verstorbene Sänger, Poet, Schauspieler und unfreiwillige Star der linksalternativen Szene erneut ziemlich lebendig.
Erfolgreiche Solo-Karriere nach Aus der „Scherben“
Als Ralph Möbius kam er 1950 in Berlin zur Welt, kleinbürgerlich fand er seine Familie. Schon früh begann er, sich das Spielen mehrerer Instrumente selbst beizubringen. 17 war er, als er die Musik zur ersten „Beat-Oper“ komponierte, die er mit seinen beiden älteren Brüdern auf die Bühne im Theater des Westens stellte – ein totaler Flop. Schlagartig berühmt wurde er als Frontmann von Ton Steine Scherben, als die frisch gegründete Band 1970 zum „Deutschen Woodstock“-Festival nach Fehmarn eingeladen war – Jimi Hendrix trat dort letztmalig vor großem Publikum auf.

Schnell wurden die „Scherben“ Kult, und diese Kurzform des Bandnamens passte bestens zur anarchischen Message und den chaotischen Auftritten der kollektiv agierenden Musiker. Mit ihren ernsthaften deutschen, sozialkritischen Texten waren sie Vorreiter des Punk-Rock in Deutschland. Zeilen seiner Liedtexte stiegen zu politischen Slogans auf, wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ und „Keine Macht für niemand“.
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Um sich nicht von der kapitalistischen Musikindustrie vereinnahmen zu lassen, veröffentlichten sie unter eigener Plattenfirma – und fielen „voll auf die Fresse“, wie Reiser es nannte. Nach dem Aus der „Scherben“ startete er eine Solo-Karriere und landete Hits wie „König von Deutschland“ und „Für immer und dich“. Rio Reiser konnte laut und wütend, aber eben auch poetisch und witzig sein.
Centralkomitee: 29. und 30.12., jeweils 20 Uhr, Steindamm 45, 31,98 Euro (ermäßigt 11,24 Euro), centralkomitee.de

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