Ein Ensemble an Schauspieler:innen hat sich in Kostümen mit Federn versammelt.

Federn als Symbol der Hoffnung: das prachtvoll herausgeputzte Ensemble Foto: Kerstin Schomburg

Vereint euch – oder ihr geht unter: „Hope“ am Thalia-Theater

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Künstler:innen aller Länder, vereinigt euch! Das ist auf mehreren Ebenen die Losung für „Hope“ am Thalia-Theater. Zunächst einmal ganz praktisch auf einer organisatorischen Ebene: Bei dem Stück handelt es sich um eine Koproduktion zwischen dem Thalia und der niederländischen Kompagnie NITE. Die Darsteller:innen setzen sich etwa hälftig aus den beiden Ensembles zusammen, auf der Bühne wird Deutsch, Englisch und Niederländisch gesprochen – jeweils mit deutschen und englischen Übertiteln. Diese Zusammenarbeit ist bereichernd und klappt ausgezeichnet.

Auf der inhaltlichen Ebene spielt „Hope“ ebenfalls in einer Performancegruppe. Nacheinander stellen sich die Akteurinnen und Akteure vor und erzählen davon, wie sie hier zusammengekommen sind. Doch die Gemeinschaft bekommt bald Risse. Denn die Choreografin (Maike Knirsch) hat hinter dem Rücken der Mehrheit beschlossen, einen Soloabend zu gestalten, den Kassie (Gloria Odosi) bestreiten soll.

Höhen und Tiefen – aber kein klarer Fokus

Sofort geht das Gezanke los – Neid, Missgunst, üble Nachrede und blanker Hass bestimmen die Dialoge, und die Gruppendynamik erfährt ein Schleudertrauma. Alt gegen Jung, Mann gegen Frau, jeder gegen jeden. Zudem treten immer wieder Figuren aus dem Geschehen hinaus und erzählen Geschichten von Missbrauch, Einsamkeit, persönlichem Leid.

Die Choreografin (Maike Knirsch, r.) will ihr eigenes Ding durchziehen. Kerstin Schomburg
Zwei Frauen stehen in abstrakten Kostümen nebeneinander.
Die Choreografin (Maike Knirsch, r.) will ihr eigenes Ding durchziehen.

Darüber schwebt eine größere Bedrohung. Denn durchs Dach dringen Wassertropfen ein. Sie sind Sendboten einer drohenden Überschwemmung, metaphorisch stehen sie für den Klimawandel. Können diese Menschen, kann die Kunst dem etwas Sinnstiftendes entgegensetzen?

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Regisseur Guy Weizman und sein Team haben (mit zusätzlichen Texten von Maria Milisavljević) sehr viele unterschiedliche Elemente zu einem Abend zusammengefügt. Ein paar zu viele, um ihn als eine in sich geschlossene Arbeit genießen zu können. „Hope“ hat Höhen und Tiefen, keinen klaren Fokus. Andererseits bedingen sich Form und Inhalt hier vielleicht auch vortrefflich und zeigen, warum es so schwierig ist, sich angesichts der existenziellen Herausforderungen in der Welt zu einer schlagkräftigen Einheit zu vereinigen?

Thalia-Theater: 10.1. (15 Uhr), 11.1. (19 Uhr), 2-59 Euro, Tel. 32 81 44 44, thalia-theater.de

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