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„The Boys Are Kissing“: Irgendwann fallen die Masken
„The Boys Are Kissing“: Ein Kuss sorgt für schlechte Gefühle – und gute Gags
Die aufgeplusterten Engel auf der Bühne (Oda Thormeyer und Samuel Mikel) haben seit Menschengedenken die ehrenvolle Aufgabe, „kleine queere Brände zu löschen“. Das bedeutet für sie vor allem, schwulen und lesbischen Menschen beizustehen, wenn sie diskriminiert werden. Das passiert selbst in den vermeintlich besten Familien. Ein kleiner Zwischenfall unter Neunjährigen auf dem Schulhof – ein Kuss nämlich – führt bei den beiden Elternpaaren zu Verwicklungen und Missverständnissen.
Obwohl der Vater des einen Jungen weiß, wie er sich gesellschaftskonform zu verhalten hat, bricht es irgendwann aus ihm heraus, als er darüber nachdenkt, sein Sohn könne schwul sein: „Ich würde meinen Sohn sogar lieben, wenn er ein Serienmörder wäre.“ Aua. Die lesbischen Mütter des anderen Jungen sind allerdings genauso in ihren angenommenen Rollen verfangen und stolpern über Worte und Werte.
Deutsche Erstaufführung von „The Boys Are Kissing“ im Thalia-Theater
„The Boys Are Kissing“ von Autor Zak Zarafshan geht bei der deutschen Erstaufführung im Thalia-Theater mit spritzigen und schnellen Ping-Pong-Dialogen von Anbeginn in die Vollen und hält das Tempo hoch (Regie: Anne Lenk). Das ist bisweilen höchst vergnüglich, schließlich ist kaum etwas komischer, als mitzuerleben, wie sich andere völlig verknoten, wenn sie nett und achtsam sein wollen. Besonders für Eltern hat das Stück einen sehr hohen Wiedererkennungswert, ähnlich wie bei Bühnenknallern à la „Der Gott des Gemetzels“ oder dem Film „Der Vorname“. Irgendwann fallen die Masken.
Zwei Einschränkungen. Der Kuss der beiden Jungen hat ja erst mal überhaupt nichts mit Schwulsein zu tun, wird aber entsprechend aufgebauscht. Für die Komödie ist es vor allem ein Vehikel, um die Scheinheiligkeit der Eltern vorzuführen. Später gibt es noch einen Vorgriff auf die Zukunft der Sprösslinge (der eine ist tatsächlich schwul, der andere nicht) – und diese Szenen fallen allzu didaktisch aus.
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Zum Glück mischen die Engel das Geschehen immer wieder fröhlich auf. „Die queere Community liebt Drama“, sagen sie. Nicht nur die, damit das klar ist!
Thalia-Theater: 29.6. (20 Uhr), 1.7. (19.30 Uhr), 5.7. (19 Uhr), 9-45 Euro, Tel. 32 81 44 44, thalia-theater.de
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