Die Erschaffung der Welt: „Alphabet“ – Literatur wird in Lyrik verwandelt
Die meisten Regisseurinnen und Regisseure haben ihre Vorlieben für bestimmte Themen oder Autor:innen. Manche servieren uns zum Beispiel voller Enthusiasmus Shakespeare’sche Schlachtplatten. Andere hingegen hängen am liebsten auf irgendwelchen russischen Landgütern mit Tschechows lebensmüden Muffköpfen ab. Und Thom Luz? Der verwandelt Literatur in eine ganz spezielle Bühnenlyrik, die ihresgleichen sucht.
Seine erste Inszenierung im Schauspielhaus – „Die acht Oktavhefte“ – war eine leise Annäherung an Franz Kafka. Erst im Schlussbild offenbarte sich dort die Schönheit und Cleverness der vorangegangenen Szenen – umwerfend! Nun verschreibt sich Luz gleich vollständig einem einzelnen Gedicht.
„Alphabet“ im Schauspielhaus: Die Erschaffung der Welt
Sicherlich ein Wagnis, aber es ist ihm zuzutrauen, dass er es ähnlich souverän und faszinierend umsetzt. „Alphabet“ heißt das Lang-Poem der dänischen Autorin Inger Christensen (1935-2009). Darin beschreibt sie nicht weniger als die Erschaffung der Welt. Die Dinge, die sie benennt – die einzelnen Wörter – haben nach einem ganz besonderen Muster nacheinander ihren Auftritt, der Fibonacci-Folge. Das Pflanzenwachstum in der Natur spiegelt diese mathematische Reihe wider.
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Und so kommt bei „Alphabet“ ein Wort zum nächsten, ein Gegenstand, ein Tier, eine Pflanze folgen aufeinander. Dabei entstehen langsam große und großartige Bilder. Es scheint, als sei es eine adäquate Grundlage für den Schweizer Luz. Drei Schauspielerinnen setzen seine Vision um: Mit Alberta von Poelnitz, Julia Wieninger und Ilse Ritter treffen herausragende Vertreterinnen verschiedener Generationen aufeinander. Allein ihr Zusammenspiel verspricht, sehenswürdig zu sein. Begleitet von drei Musikern, füllen sie das Schauspielhaus mit leiser Poesie, leisen Tönen und subtilen Bildern – sicherlich ein Fest für Theater-Gourmets.
Schauspielhaus: 6., 12., 25.3., Karten 11-79 Euro, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de

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