Plan7
Rausch aus Farben und Tanzlust: Diese Alice ist einfach fantastisch!
Tolle Kostüme, herrlich schräge Bilder: „Wunderland“ an der Staatsoper macht richtig Spaß
Willkommen im „Wunderland“: Das Hamburg Ballett begeisterte zur Eröffnung der 51. Hamburger Ballett-Tage mit den getanzten Abenteuern eines kleinen Mädchens. Alexei Ratmansky verwandelte die beiden Bestseller von Lewis Carroll über Alice in einen zweistündigen Rausch aus Farben, Fantasie, Musik und überbordender Tanzlust.
Schon als Kind war Ratmansky fasziniert von „Alice im Wunderland“ und der Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“. Nun, als international geschätzter Choreograf im Alter von 57 Jahren, erfüllt er sich den lange gehegten Wunsch, die weltberühmte Kinderliteratur in eine bewegte Geschichte zu verwandeln.
„Wunderland“ eröffnet die 51. Hamburger Ballett-Tage
Im Ensemble des Hamburg Ballett fand er Idealbesetzungen: Olivia Betteridge glaubt man die kindlich-staunende Alice, Aleix Martínez wird zum herrlich-hektischen weißen Kaninchen, als mordlustige Herz-Königin ist Ida Praetorius sensationell, und Caspar Sasse verwandelt sich in einen liebenswerten Humpty Dumpty. Zu Publikumslieblingen avancieren Louis Musin und Francesco Cortese als völlig verrückte Zwillinge Tweedledee und Tweedledum.
Sowohl Text als auch Tanz faszinieren nicht durch eine schlüssige Handlung, sondern durch fantastischste Einfälle, wie sie in Träumen vorkommen: Im ersten Teil stürzt Alice durch den Kaninchenbau in die Tiefe und trifft auf absurde Wesen und lebendige Spielkarten; nach der Pause entfaltet sich hinter dem Spiegel ein Kosmos aus Schach- und bekannten englischen Kinderfiguren. Großartige Kostüme (David Szauder) und das bewegliche Bühnenbild (Sebastian Hannak) entwickeln eine Sogwirkung.
Geniale Musikauswahl mit rund 30 verschiedenen Kompositionen
Untypisch für das Genre Ballett, verbindet Ratmansky klassischen Tanz mit Bewegungen, die dem jeweiligen Charakter entsprechen: So springt das Kaninchen einerseits virtuos vor Alice davon, krabbelt wenig später aber auch auf allen Vieren. Schlichtweg genial ist die Musikauswahl. Dank rund 30 verschiedenen Kompositionen bekommt jede Szene die perfekte Atmosphäre.
„Wunderland“ ist ein Märchen, zugleich eine Coming-of-Age-Story und ein Ballett, das einfach großen Spaß macht.
Staatsoper: 26.6. (14 und 19.30 Uhr), 2.7. (19.30 Uhr), Restkarten 8–147 Euro; und wieder in der neuen Spielzeit (Termine ab 30.10.), Tel. 35 68 68, hamburgballett.die-hamburgische-staatsoper.de
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