Schauspieler auf der Bühne im Schauspielhaus

Da sieht man sie beim Arbeiten, die fünf „Speicher“. Foto: Eike Walkenhorst

Preisgekrönter Spaß: Diese Inszenierung ist der Wahnsinn!

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Wie funktioniert eine Künstliche Intelligenz? Im Schauspielhaus können wir ihr exklusiv beim Arbeiten zusehen. Also in echt! Auf einer großen Treppe sitzen fünf „Speicher“ – Daniel Hoevels, Moritz Grove, Christoph Jöde und Camill Jammal. Ganz oben thront Sandra Gerling als „Kontrolle“. Ein großer Theaterspaß!

Die Aufgabe dieses humanoid dargestellten Datenverarbeitungsgeräts ist es, ein Goethe’sches Naturgedicht zu analysieren. Der angehende Dichterfürst hat es bei einem Ausflug in die Holztür einer Berghütte geritzt. „Über allen Gipfeln ist Ruh“ fängt es an und beschreibt auch das „Schweigen im Walde“. So weit, so bekannt. Aber da steckt noch viel mehr drin!

Inszenierung von diversen Jurys ausgezeichnet

Vorne die „Maschine“ auf den Stufen, dahinter zeigt sich die Einöde. Eike Walkenhorst
Bühnenbild von „Die Maschine“ am Schauspielhaus
Vorne die „Maschine“ auf den Stufen, dahinter zeigt sich die Einöde.

Die „Kontrolle“ erteilt Anweisungen, um den 24 Wörtern im Reimschema „ababcddc“ auf den Grund zu gehen: Was ist das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Substantiven in dem Gedicht? (1:5!) Rezitiert das Gedicht unter Auslassung jedes dritten Wortes! Lasst die Vokale weg! Sucht Synonyme für die Substantive! Und und und. Je lustvoller das Gedicht mit Sprache, mit Stottern, Schnauben, Schreien, Singen, mit Zischen und Tanzen zerfetzt wird, desto mehr verliert es an Sinn, Wert und Gehalt. Oder gewinnt es genau diese Qualitäten vielleicht?

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Man kann es nicht anders ausdrücken: Diese Inszenierung ist der Wahnsinn! Das haben auch diverse Jurys befunden. „Die Maschine oder: Über allen Gipfeln ist Ruh“ wurde dieses Jahr zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen (der Goldstandard der Branche), kürzlich wurde es mit dem Nestroy-Preis für die „beste Aufführung im deutschsprachigen Raum“ ausgezeichnet, und Sandra Gerling erhielt für ihre „Kont-Rolle“ zudem den Hamburger Rolf-Mares-Preis als beste Schauspielerin. Das alles völlig zu Recht. Denn das Stück ist ganz anders als alles, was sonst auf Hamburger Bühnen zu sehen ist. Und es bleibt lange in Erinnerung, ganz ohne künstliche Unterstützung!

Schauspielhaus: 2./31.1., je 19.30 Uhr, 12-59 Euro, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de

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