Plötzlich Diktator: Hochaktuelle Polit-Satire am Altonaer Theater
„In jedem von uns steckt ein kleiner Anarchist und ein kleiner Polizist.“ Um diesen, den zentralen Satz, dreht sich „Das Gesicht“ von Siegfried Lenz. Und zeigt: Bei passender Gelegenheit kann selbst ein Biedermann zum Diktator mutieren.
Das Altonaer Theater widmet dem literarischen Werk des bedeutenden Autors der Nachkriegszeit (er wäre in diesem Jahr 100 geworden) mit „Lenz auf der Bühne“ eine eigene Veranstaltungsreihe. In diesem Rahmen zeigt es auch „Das Gesicht“ – als unverhohlen in Richtung Donald Trump zielende treffende Polit-Satire.
Turbulent, klug und erschreckend nah an der Gegenwart
Die Porträts des Präsidenten sind austauschbar in dieser ironieblitzenden Aufführung von Georg Münzel – die Geschichte hinter den Gesichtern ist jedoch noch heute hochaktuell. Bunt, klug, witzig und höchst vergnüglich anzuschauen, inszenierte der Regisseur die 1964 uraufgeführte Groteske um Friseurmeister Bruno Deutz. Ihm wird die zweifelhafte Ehre zuteil, als Doppelgänger für den Präsidenten seines (fiktiven) totalitären Staates den Kopf hinzuhalten.

Sträuben zwecklos. Denn mit ihren lächerlichen lilafarbenen Haartrachten und den Zwirbelschnurrbärten gleichen sie einander äußerlich wie ein Ei dem anderen. Dann aber läuft es anders als geplant. Bruno überlebt das auf den Diktator verübte Attentat – und zieht in den mit Plüschtier-Trophäen geschmückten Präsidentenpalast.
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Einen tollen Job macht jede und jeder Einzelne: von Herbert Schöberl (Präsident) über Jacques Ullrich (Vater Heribert Deutz) bis zu Sina-Maria Gerhardt (Brunos Ehefrau Hanna). Einzigartig jedoch Kai Hufnagel, der sich mit turbulenter Komik vom friedlichen Figaro zum Golf spielenden Machtmenschen steigert. Ein gefährlicher Irrer und als Spielball der Mächtigen ein armes Schwein.
Altonaer Theater: bis 15.3., diverse Termine und Uhrzeiten, 20-39 Euro, Tel. 39 90 58 70, altonaer-theater.de

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