Märchenkomödie „Der Drache“: Die Mehrheit schweigt, die Lüge siegt
Besser wird’s nicht. Ein düsteres Zukunftsbild entwirft am Ernst-Deutsch-Theater „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz. Die Märchenkomödie zeigt das Zusammenspiel von Tyrannei und mangelndem Mumm im Zeitalter von Fake News.
Das Stück führt in eine idyllisch anmutende Kleinstadt (fantasievoller Bühnenraum: Katrin Kersten). Erschreckend jedoch: die Machtverhältnisse. Herrscher ist seit ewigen Zeiten ein Drache, der jedes Jahr ein Menschenopfer fordert. Wogegen sich längst niemand mehr auflehnt.
Hoffnungslos gute Unterhaltung
Auch Elsa (Ines Nieri), die am nächsten Tag dem Drachen übergeben werden soll, und ihr Vater (anrührend als schreckensbleicher Archivar: Isabella Vértes-Schütter) fügen sich ergeben in das Unvermeidliche. Ebenso wie Elsas Verlobter (Nayana Heuer), der opportunistische Bürgermeistersohn. Wie sein Vater profitiert er von der Zusammenarbeit mit dem Untier.

Satirisch zugespitzt inszenierte Regisseurin Mona Kraushaar die Parabel auf totalitäre Herrschaftssysteme. Dass Lanzelot (der Schauspieler nennt sich selbst nur „K“) den dreiköpfigen Drachen besiegt, befreit die verängstigten Menschen nicht aus Unfreiheit und Leid.
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Denn das nächste Monster steht bereits in den Startlöchern: Der korrupte Bürgermeister – von Enrique Fiß („Großstadtrevier“) als bewegungswütiger, korrupter Clown dargestellt – erklärt sich zum Präsidenten, zettelt eine Lügengeschichte großen Stils an, in der er sich selbst als Held und Drachentöter feiert, und setzt das Schreckensregime des getöteten Ungeheuers fort – toleriert von der die Wahrheit verschweigenden Mehrheit des Volkes. Hoffnungslos gute Unterhaltung. Aufrüttelnd.
Ernst-Deutsch-Theater: 17.2.-21.2., 19.30 Uhr, 25-45 Euro, Tel. 22 70 14 20, ernst-deutsch-theater.de

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