Szene aus „Gefährliche Liebschaften“

Alles irgendwie verknotet: Vicomte de Valmont (Marius Huth, l.), Danceny (Samuel Mikel) und Cécile (Lisa-Maria Sommerfeld) Foto: Krafft Angerer

Intrigen, Sex und Machtmissbrauch: „Gefährliche Liebschaften“ am Thalia-Theater

kommentar icon
arrow down

Frankreich kurz vor der Französischen Revolution. In seinem Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ lässt es Autor Choderlos de Laclos noch mal richtig krachen: Intrigen, Sex, Machtmissbrauch. Sebastian Hartmann hat den emotionsgeladenen Stoff jetzt am Thalia-Theater inszeniert.

Improtheater am Alstertor? Regisseur Sebastian Hartmann erklärt uns im Programmheft seine Methode der „Freispieleinrichtung“. Darunter versteht er einen Rahmen, innerhalb dessen sich die Darstellenden von Vorführung zu Vorführung selbst für einzelne Szenen oder deren Verlauf entscheiden dürfen. Der Effekt erschließt sich dem Publikum also nur, sollte es das Stück gleich mehrmals besuchen. Lohnt sich das denn auch?

Im Stück passiert nicht viel – aber das sehr heftig

Der große dunkle Bühnenraum bleibt leer. Oben tanzen zahlreiche verlebte Tricolore-Fahnen an breiten Stangen, um Ort und Zeit zu verankern. Mehr als nur eine Nebenrolle nehmen dafür die Kostüme ein (Adriana Braga Peretzki) – wallende Kleider, feine Spitzenstrumpfhosen (auch für die Herren), ein Glitzeranzug und vieles mehr. Ganz hinten greift Musiker Samuel Wiese in die Tasten und untermalt das Geschehen mit atmosphärischen Klängen.

Die Marquise de Merteuil (Caroline Junghanns, l.) will Rache nehmen und schmiedet Pläne. Krafft Angerer
Szene aus „Gefährliche Liebschaften“
Die Marquise de Merteuil (Caroline Junghanns, l.) will Rache nehmen und schmiedet Pläne.

Aus Rache ersinnt die Marquise de Merteuil (Caroline Junghanns) zusammen mit Vicomte de Valmont (Marius Huth) einen Plan, um die junge Cécile (Lisa-Maria Sommerfeld) vor ihrer Hochzeit mit Dancency (Samuel Mikel) zu entjungfern und damit zu desavouieren. Außerdem soll der triebhafte Verführer Valmont auch noch Madame de Tourvel die Ehe ruinieren. Was man sich eben so ausdenkt, wenn man in einer richtig feinen dekadenten Stimmung ist.

Das könnte Sie auch interessieren: Das geht unter die Haut: Theaterstück über „Hamburgs Feuersturm“ – mit Überlebenden

Auf die Bühne übersetzt, entspinnen sich die Briefe in Szenen überbordender Emotion und Körperlichkeit. Es wird viel geschrien und gerungen. Anders ausgedrückt: In den knapp zweieinhalb Stunden passiert nicht viel, aber das sehr heftig.

Täuschung und große Gefühle

Es geht um Macht und ihren Missbrauch, um Versuchung und Liebe, um Heuchelei und falsche Hoffnungen („Wenn das eine Täuschung ist, möchte ich sterben, bevor sie vorbei ist“, sagt Madame de Tourvel mehrmals.) Die fünf Schauspieler:innen geben viel und sind das große Plus an diesem Abend. Allerdings geht eine Gleichung in der Inszenierung nicht auf. Denn alles dreht sich um Gefühle und ihre Ausbeutung, die willkürliche Zerstörung von Frauenexistenzen. Diese Gefühle werden nur ausgestellt, in keinen zwingenden Kontext gestellt. So wirken die Akteur:innen nur wie Platzhalter. Aber für was?

Thalia-Theater: 23./26./29., 30.11. und 4.12., diverse Zeiten, 19-59 Euro, Tel. 32 81 44 44, thalia-theater.de

Der Plan7 vom 21. November 2025 MOPO
Der Plan7 vom 21. November 2025
Der Plan7 vom 21. November 2025

Dieser Tipp kommt aus Plan7, der Kultur- und Veranstaltungsbeilage in der neuen WochenMOPO (jeden Freitag neu am Kiosk, hier im günstigen Kennenlern-Abo). Plan7 – das sind 28 Seiten voller Kultur und Inspiration für Ihre Freizeit: Kultur-Tipps für jeden Tag der Woche, Tipps für Gastro-Fans und für Hamburg- und Umland-Entdecker. Dazu gibt’s Interviews und Verlosungen für Konzerte, Lesungen, Shows und mehr.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test