„Hundeherz“ am Schauspielhaus: Vorsicht, da braut sich was zusammen
Wann wird die KI „menschlich“? Sind wir selbst vielleicht längst eine Art Cyborg, gesteuert von der Technik, die wir erfunden haben? Wohin führt es, wenn die Tech-Bros im Silicon Valley von Unsterblichkeit und Weltmacht träumen? Dinge, die vor gar nicht so langer Zeit Science Fiction waren, sind heute zu bedrohlichen Fast-Realitäten geworden. Da braut sich was zusammen!
Der im Moskauer Politbüro nicht allzu wohlgelittene sowjetische Schriftsteller Michail Bulgakow hat vor knapp 100 Jahren schon die Technik-Lust und Parolen zur Vervollkommnung des sozialistischen Geistes und Körpers (individuell und gesellschaftlich) aufs Korn genommen. Seine Erzählung „Hundeherz“ handelt von einem Straßenköter, der Hoden und Drüsen eines Menschen eingepflanzt bekommt. Das Experiment läuft nicht nach Plan …
„Hundeherz“: Die Dystopie einer technikbesessenen Zukunft
Im Schauspielhaus präsentiert Regisseurin Claudia Bauer nun eine stärker gegenwartsbezogene Fassung des Autors und bekannten Theatermachers Armin Petras. In einem mächtigen Bühnenbild, das irgendwo zwischen sozialistischem Brutalismus und Batmans Gotham City zu verorten ist, wird die gleiche Operation durchgeführt. Doch Sina, eine „KI-Robotess“ (Sandra Gerling), spielt hier ebenfalls eine tragende Rolle und entwickelt – uiuiui! – Gefühle. Der enthusiastische Professor (Bettina Stucky) und sein Assistent (Maximilian Scheidt) müssen ansehen, wie sich ihre Frankenstein-Kreatur zu einem willfährigen Handlanger eines faschistoiden Regimes unter „Big Daddy“ mausert und „Katzenartige“ massakriert. Außerdem treten Robert de Niro (Felix Knopp) und Cher (Sachiko Hara) auf, die beide jenseits der 100 sind und sich körperlich jung halten lassen.
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Der lebensgroße Stoffhund wird zunächst von Puppenspieler Oscar Olivo bewegt, der später auch dessen humanoide Form schauspielerisch übernimmt. Diesen ambitionierten Themenmix bringen Bauer und ihr Team mit schönen Zuspitzungen, einigen sehr guten Gags und wunderbar atmosphärischer Livemusik von Andi Otto auf die Bühne. Vieles bleibt dabei allerdings plakativ und „abständlich“. „Hundeherz“ wirft drängende Fragen auf, aber versäumt es, uns emotional abzuholen. Oder eben: am Herzen zu packen.
Schauspielhaus: 6.5. (20 Uhr), 17.5. (16 Uhr), 11-55 Euro, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de

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