Ein älterer Mann steht einer Frau gegenüber. Neben ihnen steht ein Tisch mit zwei Stühlen.

Die Weltanschauungen von Richard (Gustav Peter Wöhler) und seiner Tochter Helen (Nadja Petri) könnten gegensätzlicher nicht sein. Foto: Stephan Wallocha

Hier prallen Welten aufeinander: „Blind“ im St. Pauli-Theater

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Familiäre Bande verbinden? Sie kann auch trennen, zeigt die niederländische Dramatikerin Lot Vekemans. In ihrem jüngsten Stück „Blind“ herrscht tiefes Unverständnis zwischen dem verwitweten Richard und seiner erwachsenen Tochter Helen. Im St. Pauli-Theater stehen sich Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri im Vater-Tochter-Konflikt unversöhnlich gegenüber. Getrennt durch Lebensweisen und Weltanschauungen.

Richard, der ehemalige Wasserbauingenieur, lebt in Südafrika in einem von Männern mit Maschinengewehren bewachten Reichenviertel. Seine langjährige Haushälterin Lizzy hat er entlassen. An ihre Stelle soll jetzt Helen treten, fordert der Vater. Zumal er bald vollständig auf Pflege angewiesen sein wird; aufgrund eines Tumors droht er zu erblinden.

Anwältin Helen jedoch lehnt jede über einen Kurzbesuch hinausgehende Verpflichtung rigoros ab. Ebenso rigoros, wie Richard seinen Schwiegersohn, einen schwarzen Intellektuellen, und Helens berufliches Engagement für sozial benachteiligte Menschen ablehnt.

„Blind“ im St. Pauli-Theater: Ein stark gespielter Vater-Tochter-Konflikt

Stetig und spürbar steigert Regisseur Ulrich Waller in seiner Inszenierung des Kammerspiels die emotionale Distanz und Entfremdung zwischen den „Gegnern“. Vom ersten Moment an zeigt Nadja Petri als Helen: Sie kann ihrem reaktionären Vater in seinem „goldenen Ghetto“ gar nicht schnell genug wieder entfliehen.

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Auch wenn sie am Ende hofft, sie würden eine Lösung finden – wirklich  beruhigend klingt das nicht. Denn es spricht einiges dafür, dass sich Helen, in Richards Worten, weiterhin „wie das genaue Gegenteil ihrer Eltern“ verhält. Wodurch sich die Gräben zwischen den Generationen nicht werden überbrücken lassen. Weder in der Gesellschaft noch in deren kleinster Zelle, der Familie. Dafür stehen der halsstarrige Patriarch und seine zornige Tochter. Ein hochaktueller Konflikt, nachdenklich stimmende Unterhaltung.

St. Pauli-Theater: 28.4.-30.4., 19.30 Uhr, Karten 19-54 Euro, Tel. 47 11 06 66, st-pauli-theater.de

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