Szene aus „Gaslight“

Übler Typ: Jack (Kevin Johnson) macht Bella (Marie Wilson) psychisch völlig fertig. Foto: Stefan Kock

Hier läuft’s uns kalt den Rücken runter: Der Klassiker „Gaslight“ am English Theatre

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Emotionaler Nervenkitzel: Dafür steht am English Theatre der Psychothriller „Gaslight“. Der Krimiklassiker führt uns ins viktorianische London. Hier sind im düsteren Kaminzimmer der Manninghams seltsame Dinge im Gange.

Mal fehlt ein Bild an der Wand, mal vermisst Jack einen Brief oder anderes. Bella, so redet er seiner Gattin ein, lasse Dinge verschwinden, die dann an ganz anderer Stelle in der Wohnung wieder auftauchen. Bester Beweis für ihre wahnhafte Störung: Verlässt er nach der „Tea Time“ das Haus, wird kurz darauf das Licht der Gaslampen schwächer. Und, was Bella besonders verstört: Im leerstehenden Obergeschoss vernimmt sie seltsame Geräusche.

Ein brillant gespieltes Psychodrama

Psychologisch ausgefeilt inszeniert Co-Intendant Paul Glaser das meisterhafte Theaterstück „Gas Light“ von Patrick Hamilton (1938) – unter dem Titel „Das Haus der Lady Alquist“ in den 40er Jahren mit Ingrid Bergman als Bella erfolgreich verfilmt. Das Kammerspiel ist Namensgeber eines Phänomens: Gaslighting. In der Psychologie wird so eine Form von psychischer Manipulation bezeichnet, mit der Betroffene gezielt verunsichert und in ihrem Realitäts- und Selbstbewusstsein allmählich beeinträchtigt werden.

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Einen Vertrauten findet Bella (zart, dünnhäutig, verletzlich: Marie Wilson) im pensionierten Polizeidetektiv Rough. Ian Bailey verleiht dem leidenschaftlichen Streiter für Gerechtigkeit jugendlichen Schwung – und er bringt endlich Licht ins Dunkel der mysteriösen Vorgänge, die Bella an ihrem Verstand zweifeln lassen. Sie erkennt, dass Jack (charmant-grausamer Psychopath: Kevin Johnson) seine Macht nicht nur ausnutzt, um sie zu quälen. Der Fiesling ist sogar ein kaltblütiger Killer, der Jagd auf fette Beute macht.

Einblicke in die menschlichen Abgründe

Das fantastische Ensemble erschafft einprägsame Charaktere, die vom ersten Moment an in den Bann ziehen. Dazu gehören auch das kecke Dienstmädchen (Niamh Deasy) und die liebenswürdige Haushälterin Elizabeth (Claire Morrissey). Diese Inszenierung bietet Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele: subtil, beklemmend, bravourös.

English Theatre: bis 17.1., diverse Termine, Tickets 29-42 Euro, Tel. 227 70 89, eth-hamburg.de

Der Plan7 vom 28. November 2025 MOPO
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