Schwarzweiß-Porträt von Werner Bischof

Selbstporträt: Werner Bischof mit 25 Jahren, 1941 in Zürich Foto: Werner Bischof Estate/Magnum Photos

Hamburger Galerie zeigt den „James Dean der Fotografie“

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Die Galerie Roschlaub ist umgezogen – und das wäre vielleicht gar nicht unbedingt eine Nachricht wert, sie ist ja im Viertel geblieben: Vom Mittelweg ist Galeristin Kirsten Roschlaub in die Milchstraße gezogen. Das sind gut fünf Minuten zu Fuß – wenn man gemütlich geht. Und doch ist dieser „Neustart“ berichtenswert: Denn eingeweiht wird die Galerie mit ganz besonderen Bildern von einem, den sie den „James Dean der Fotografie“ nannten.

Der Journalist Manuel Gasser schrieb 1946 im Vorwort zu einem Buch des Schweizer Fotografen Werner Bischof etwas Bemerkenswertes. „Es liegt auf der Hand“, so Gasser, „dass Werner Bischof, wäre er zu einer anderen Zeit, das heißt vor der Erfindung der Photographie, geboren, seine Begabung auf irgendeinem anderen Gebiet verwirklicht hätte. Man kann sich leicht vorstellen, dass er Pflanzen und Früchte zart und sorgfältig mit dem Silberstift auf reinliches Papier zeichnet oder dass er Tierbilder nach Art der antiken Gemmenschneider in Stein gräbt.“

Bischofs Werk ist legendär

Diese Sätze sind deshalb bemerkenswert, weil sie das Wesen der Fotografie von Werner Bischof eingefangen haben, die Zartheit und die Sorgfalt, mit der dieser Schweizer arbeitete. Doch Bischof, 1916 geboren, war kein Zeichner oder Gemmenschneider. Er war durch und durch Fotograf. Er war einer, der mit Licht und Schatten zeichnete, auf der Suche war nach Zartheit und Poesie. Dennoch: Verwüstung, Brutalität, Krieg – auch das hat Bischof fotografiert.

Er hatte nur wenige Jahrzehnte, um sein Werk zu vollenden. Er wurde nur 38, starb 1954 bei einem Autounfall in den peruanischen Anden. Als James Dean der Fotografie hat man ihn beschrieben – und ja, da ist etwas dran: verletzlich, attraktiv, melancholisch blickt er den Betrachter an. Auf diesen Selbstporträts in Schwarzweiß.

Bischofs Werk ist – vor allem in der Schweiz – legendär. In Deutschland ist der Fotograf, der seit 1949 für „Magnum“, die berühmteste Fotografenagentur der Welt, gearbeitet hat, bei Weitem nicht so bekannt.

Ein Pionier der Farbfotografie

Doch jetzt zeigt die Galerie Roschlaub in ihrem neuen Showroom in der Milchstraße unter dem Titel „Unseen Colour“ seine Farbfotografien: überaus farbintensive Bilder, die seit 1939 unter anderem mit einer „Devin Tri-Color“-Kamera aufgenommen worden sind, die jede Aufnahme auf drei mit Farbfiltern versehenen Glasplatten abbildete. Ein sehr besonderes Verfahren: Bei der Reproduktion auf Papier übereinander gedruckt entsteht die Farbabbildung.

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Werner Bischof war ein Pionier der Farbfotografie, doch die Ausstellung zeigt auch seine ikonischen Schwarzweißbilder: ein spannender Dialog eines Fotografen, der ein sehr besonderes Werk geschaffen hat. Sein tief empfundener Humanismus, seine politische Sicht, seine Liebe zu den Feinheiten von Licht und Schatten, sein Wille, als Dokumentarist ein Zeugnis abzulegen, aber stets auch der unbedingte Wille zum Stil, zur vollendeten Komposition: All das ist Werner Bischof.

Galerie Roschlaub: Bis 19.4., Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr, Milchstr. 21, galerie-roschlaub.com

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