Der Schauspieler Florian Lukas kniet während einer Szene des Stücks „Mama Odessa“ auf der Bühne.

Florian Lukas spielt Mischa Grinbaum, Ich-Erzähler und Alter Ego des im Grindelviertel aufgewachsenen Schriftstellers Maxim Biller. Foto: Bo Lahola

Geschichte wird hier (be)greifbar: Überragende Performance an den Kammerspielen

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Dieses Stück führt in die unmittelbare Nachbarschaft der Kammerspiele. Denn „Mama Odessa“, die bewegende Familiengeschichte nach dem autobiografischen Roman von Maxim Biller, spielt (auch) im Grindelviertel. Dort ist Mischa Grinbaum – Ich-Erzähler und Alter Ego des 1960 in Odessa geborenen russisch-jüdischen Autors – aufgewachsen. Nach dem Tod seiner Mutter kehrt er in die Wohnung an der Bieberstraße zurück.

Zurückgeworfen auf seine Erinnerungen  wird die leere Wohnung für Mischa zum Ausgangspunkt einer Reise in die Vergangenheit. Nach Odessa wandern die Gedanken. In die Heimat seiner Familie, die mit dem Achtjährigen nach Deutschland emigrierte und in Hamburg eine Bleibe fand. Er spürt den Schmerz der Mutter über die Trennung vom geliebten Vater, der 1941 dem Nazi-Massaker an den Juden von Odessa wie durch ein Wunder entkommen ist.

Inszenierung erzählt ein bis heute aktuelles Drama

Im Mittelpunkt der Bühnenfassung (Dramaturgie: Anja Del Caro, Regie: Kai Wessel) jedoch steht die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Es ist ihre Liebe zur Literatur, die Nähe entstehen lässt. Und es ist der Beruf – beide sind Schriftsteller –, der sie zu Konkurrenten macht.

Was die humorvoll-melancholische Inszenierung der leisen Töne besonders macht: Anhand persönlicher Erinnerungen erzählt sie ein uraltes, doch bis heute aktuelles Drama der Menschheitsgeschichte von Flucht und Vertreibung weiter.

Darsteller-Duo spielt überragend

Adriana Altaras und Florian Lukas spielen überragend, zeigen authentisch zwei verletzliche und verletzende Menschen. Bo Lahola
Adriana Altaras und Florian Lukas während einer Szene des Stücks „Mama Odessa“
Adriana Altaras und Florian Lukas spielen überragend, zeigen authentisch zwei verletzliche und verletzende Menschen.

Das Größte aber ist vielleicht das Darsteller-Duo. Adriana Altaras und Florian Lukas spielen überragend, zeigen authentisch zwei verletzliche und verletzende Menschen und gestalten das fordernde Stück so lebendig, dass man als Zuschauer einfach dranbleibt. An ihr, der entwurzelten, in Hamburg nie ganz heimisch gewordenen, übergriffig liebenden Aljona. Und an Mischa, den sie zutiefst liebenden Sohn, der doch versucht, Distanz zu ihrer besitzergreifenden Mutterliebe herzustellen.

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Interessantes Angebot: Vor einigen Vorstellungen bieten die Kammerspiele einen geführten Spaziergang zu den Schauplätzen von „Mama Odessa“ an – zu Orten also, an denen durch Geschichten Geschichte greifbar wird.

Kammerspiele: bis 28.2., diverse Termine und Uhrzeiten, 21-46 Euro, hamburger-kammerspiele.de

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