Eine blonde Frau steht hinter einem Mann mit Brille.

Vater-Tochter-Konflikt: Richard und Helen (Gustav Peter Wöhler, Nadja Petri) müssen sich ihren unvereinbaren Haltungen stellen. Foto: Jim Rakete

Familiendrama „Blind“: Ein Stück, das unter die Haut geht

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Familie kann man sich nicht aussuchen. Da Richard und seine Tochter Helen vollkommen verschiedene Vorstellungen von einem sinnvollen Leben haben, gehen sie sich aus dem Weg. Doch mit der Krankheit des Vaters ändert sich plötzlich alles: Er droht zu erblinden.

Lot Vekemans, die zurzeit international erfolgreichste Dramatikerin der Niederlande, legt mit ihrem jüngsten Stück „Blind“ den Finger in eine Wunde unserer Zeit: Müssen sich Kinder aus moralischer Verpflichtung um alte, kranke Eltern(teile) kümmern, selbst wenn das Verhältnis zu ihnen völlig zerrüttet ist?

Vater und Tochter haben unvereinbare Ansichten – oder etwa doch nicht?

Vekemans’ fiktives Fallbeispiel geht unter die Haut: Richard, ein erfolgsverwöhnter Ingenieur im Ruhestand, lebt nach dem Tod seiner Frau in einer Gated Community; erzkonservativ, ist er gesellschaftlichen Veränderungen gegenüber wenig aufgeschlossen. Die Heirat seiner Tochter mit einem schwarzen Intellektuellen missbilligt er ebenso wie deren Berufswahl: Helen arbeitet als Anwältin, mit ihrer idealistischen Haltung tritt sie für einen nachhaltigen Umgang mit den knappen Ressourcen der Erde ein.

Konfrontiert mit Einsamkeit und Endlichkeit sucht Richard nach langer Funkstille gezielt wieder den Kontakt zu Helen: Er möchte, dass sie ihn versorgt. Um den Druck auf seine Tochter zu erhöhen, entlässt er sogar die Haushälterin. Unwillig hilft Helen ihm hin und wieder, doch wohnen will sie auf keinen Fall in diesem abgeschotteten Haus.

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Eines Tages wird aus ihrem freiwilligen Besuch ein erzwungener Aufenthalt – die Sicherheitsbarrieren der Community schließen sich plötzlich automatisch! Zur Zweisamkeit verdammt, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich ihren unvereinbaren Haltungen zu stellen. Am St. Pauli-Theater stehen sich Gustav Peter Wöhler und Nadja Petri im Vater-Tochter-Konflikt gegenüber, den Ulrich Waller inszeniert.

St. Pauli-Theater: Previews 7./8.4., 19.30 Uhr, 39,90 Euro. Ab 9.4., 19.30 Uhr, So 18 Uhr, 19-59 Euro, Tel. 47 11 06 66, st-pauli-theater.de

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