„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“: Viel mehr als nur Stoff für den Unterricht
Das Timing dieser Premiere ist etwas unglücklich. Eigentlich sollten Regisseur Dušan David Parízek und sein Team den Stoff bereits in der letzten Spielzeit auf die Bühne des Schauspielhauses bringen, aber das klappte nicht. Jetzt ist es also so weit, aber leider haben die Abiturient:innen ihre Klausurbögen schon vollgeschrieben. Dort durften sie sich über die Spielfilmvariante von „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ auslassen.
Dem einen oder der anderen hätte vielleicht ein Theaterbesuch im Vorfeld den letzten Erkenntnisschub geliefert. Aber die Fabel über den unglücklichen Fabian ist auch jenseits der Penne spannend genug. Der zugrundeliegende Roman von Erich Kästner stellt die Dauerkrisen und die Orientierungslosigkeit der Weimarer Republik anhand seiner Protagonist:innen dar.
Über den Untergang der Weimarer Republik
Fabian verliebt sich im brodelnden Sündenpfuhl Berlin in die angehende Schauspielerin Cornelia, trennt sich aber von ihr, als sie eine transaktionale Affäre mit einem Regisseur eingeht, um ihre Karriere voranzubringen. Fabian wird arbeitslos und sieht, wie andere sich besser – oder schlechter – mit den Umständen arrangieren. Sein Freund Labude nimmt sich das Leben, nachdem er Opfer eines dummen Streiches geworden ist und glaubt, dass seine akademische Laufbahn zu Ende ist. Und am Schluss – Spoiler! – ertrinkt Fabian beim Versuch, einem Jungen das Leben zu retten. Das dürfen wir vielleicht auch als Metapher für das untergehende System lesen.
Das könnte Sie auch interessieren: Wenn das Leben dazwischenfunkt: Die schwarze Komödie „All New People“ begeistert
In jedem Fall bietet dieser „Fabian“ eine Menge Anknüpfungspunkte für unsere heutige Zeit, die gespaltene Gesellschaft, das Aufkommen der unappetitlichen Rechten. Im Übrigen bietet uns die Inszenierung ein spannendes Ensemble an: Neben den vier Männern Markus John, Christoph Jöde, Mirco Kreibich und Henning Hartmann kommt die junge Darstellerin Emma Oberpichler direkt von der Schauspielschule zu ihrer ersten großen Rolle.
Schauspielhaus: 21./29.5., 7./18./23.6., diverse Zeiten, Karten 11-74 Euro, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de

Dieser Tipp kommt aus Plan7, der Kultur- und Veranstaltungsbeilage in der neuen WochenMOPO (jeden Freitag neu am Kiosk, hier im günstigen Kennenlern-Abo). Plan7 – das sind 28 Seiten voller Kultur und Inspiration für Ihre Freizeit: Kultur-Tipps für jeden Tag der Woche, Tipps für Gastro-Fans und für Hamburg- und Umland-Entdecker. Dazu gibt’s Interviews und Verlosungen für Konzerte, Lesungen, Shows und mehr.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.