Drei Frauen und ein Mann stehen in Bühnenkostümen auf der Bühne.

Carmen bringt Unruhe auf den Kiez, Maria, Elsa und Klaus haben ihr nichts entgegenzusetzen (Anneke Schwabe, Victoria Fleer, Nadja Petri, Holger Dexne, v.l.). Foto: Kerstin Schomburg

Einfach herrlich gegen den Strich gebürstet: „Die Carmen von St. Pauli“ ist zurück

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Sie ist zurück auf dem Kiez: „Die Carmen von St. Pauli“. Mit der Hamburger Version der populären Oper von Georges Bizet steht dem St. Pauli-Theater so betörende wie schmissige Unterhaltung ins Haus.

„Ja, die Liebe hat bunte Flügel, solch einen Vogel zähmt man schwer“, zwitschert in der 20er-Jahre-Revue die wunderbare Anneke Schwabe. Als flatterhafte Carmen, die eigentlich Jenny Hummel heißt und nichts mehr als ihre Freiheit liebt, verdreht sie den Kerlen in den Spelunken unten am Hafen und auf der Reeperbahn den Kopf. Da, wo schwere Jungs und leichte Mädchen, Schmugglerbanden, Könige der Unterwelt und Hitlers SA-Schergen zusammentreffen.

Bizets Oper wird mit Filmmusik und Jazz gemixt

Der „Tanz auf dem Vulkan“ basiert auf einem raffinierten Arrangement (Buch und Regie: Peter Jordan und Leonhard Koppelmann). Das Künstler-Duo paarte „Die Carmen von St. Pauli“, den 1928 gedrehten Stummfilm, mit dem Opernklassiker. Dabei herausgekommen ist eine herrlich schräg-ironische Show mit umgetexteten Arien und Musik, die – neu arrangiert für die achtköpfige Jazzband – Brecht/Weill-Sound einfließen lässt.

Der schurkische Reeder (Götz Otto) und der Hafenmeister (Patrick Heyn) Kerstin Schomburg
Ein Mann in feinem weißen Anzug steht neben einem Mann in einem Hafenmeister-Kostüm.
Der schurkische Reeder (Götz Otto) und der Hafenmeister (Patrick Heyn)

Vor der reizvollen Kulisse (Hafenszenen und -ansichten aus dem Filmklassiker) nimmt das Eifersuchtsdrama seinen Lauf. In der Kaschemme von Schankwirt Pastia (Stephan Schad) kommandiert die Waterkant-Carmen ihre Bande von „Hafenratten“. Hineingezogen ins abgekartete Spiel um Macht und Geld wird der kreuzbrave Seemann Klaus Brandt (Holger Dexne), verlobt mit Maria von der Heilsarmee (bezaubernd: Victoria Fleer). Strippenzieher in der Unterwelt ist Reeder Rasmussen (Bond-Bösewicht Götz Otto).

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Sie alle bilden, vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus, eine wüste Gesellschaft. Starke Frauen prallen auf liebestolle und selbstgefällige Mannsbilder. Jeder schlägt sich irgendwie durch, um den Stier bei den Hörnern zu packen. Großartig!

St. Pauli-Theater: 14.-17.1 (19.30 Uhr), 18.1. (18 Uhr), Karten 19,90-74,90 Euro, Tel. 47 11 06 66, st-pauli-theater.de

Der Plan7 vom 9. Januar 2026 MOPO
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