Eine große Doppelschau in der Kunsthalle: Maria Lassnig und Edvard Munch
„Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie, und lasse entstehen“, beschrieb die österreichische Malerin Maria Lassnig ihr Vorgehen im Jahr 1984. „Ich bin ein Realist, der mit dem Realismus nicht zufrieden ist.“ Ihre Bilder kann man jetzt in der Kunsthalle entdecken – in einer großen Doppelschau zusammen mit Werken von Edvard Munch. Der Titel der Ausstellung: „Malfluss = Lebensfluss“.
Maria Lassnig (1919-2014) bezieht sich in ihrer Kunst immer wieder auf den Expressionismus, vor allem auf Max Beckmann, auf seine wilde, starke Linie, die grellen, schreienden Farben und harten Kontraste.
Lassnig und Munch passen wunderbar zusammen
Es sind oft unheimliche, ja böse Bilder, die so die Welt erblicken. Denn das Leben ist nicht schön, wie die gebürtige Kärtnerin Maria Lassnig weiß: „1949 hab ich mein erstes Körperbewusstseinsbild gemacht. Wie ich sitze, die Druckstellen auf dem Hinterteil und so weiter. Die Empfindungen waren für mich so etwas Seltsames und schwer zu definieren und schwer zu malen, das war für mich die Herausforderung. Das Abmalen von der Natur, das ist mir zu leicht gefallen. Deshalb hab ich was gesucht, was schwer war.“
- Jon Etter Schlicht „Augenmensch“ hat Maria Lessing dieses Bild getauft.

Schlicht „Augenmensch“ hat Maria Lessing dieses Bild getauft. - Maria Lassnig Stiftung/VG Bild Kunst Beziehungen: Lessings „Ehepaar“

Beziehungen: Lessings „Ehepaar“ - Munchmuseet, Oslo Beziehungen: Munchs „Vampir im Wald“

Beziehungen: Munchs „Vampir im Wald“
Lassnig und Munch, ja, das passt wirklich zusammen. Denn Munch, der 1863 geborene Vater der modernen Kunst, der Vordenker des Expressionismus, der gibt uns ebenfalls noch heute Rätsel auf. Womöglich, weil sein Werk, wie das von Lassnig, stets die substanziellen Fragen des Mensch-Seins berührt, das Hingeworfensein in die Welt.
Kunst ist für beide Selbst- und Weltbefragung
Wie eigenwillig und symbolträchtig Munchs Werk uns auch heute noch erscheint, kann man in der Kunsthalle erfahren. Zu sehen sind Arbeiten des Norwegers, die Einsamkeit, Eifersucht, Liebe, Angst und Tod, tiefste menschliche Gefühle, aufs Eindringlichste zum Ausdruck bringen. Munchs Verständnis von Materialität war seiner Zeit Jahrzehnte voraus: Er zerfurchte die Leinwand, setzte seine Arbeiten der Witterung aus, um den Zufall in den Schaffensprozess zu integrieren. Eine Idee, die Jahrzehnte später von der surrealistischen Kunst aufgegriffen wurde.
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Munch ist ein Künstler, der immer wieder aufs Neue zu faszinieren vermag, so wie Lassnig, deren Werke die Kunsthalle als erstes deutsches Museum ankaufte. Auch Munch ist in der Sammlung gut vertreten, mit Gemälden und Arbeiten auf Papier. Und so macht diese Ausstellung auch wirklich Sinn: ein großer Künstler und eine große Künstlerin, deren Umgang mit der Farbe ihr Werk eint – vor allem aber ihr gemeinsamer Wille, Kunst als Spiegel der ganz großen Gefühle zu begreifen. Kunst, das Malen, das ist für die beiden Selbst- und Weltbefragung. Leben und Kunst sind untrennbar miteinander verbunden. Malfluss = Lebensfluss.
Kunsthalle: bis 30.8., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, 18 Euro. Freier Eintritt jeden 1. Donnerstag im Monat von 18-21 Uhr

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