„Moi, Moustafa et Paul“ zeigt die Künstlerin selbst, ihren Ehemann Moustafa und ihren Sohn Paul.

„Moi, Moustafa et Paul“ zeigt die Künstlerin selbst, ihren Ehemann Moustafa und ihren Sohn Paul. Foto: Huguette Caland Estate and LACMA

Eine ganz eigene Welt aus wenigen Linien

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Huguette Caland (1931-2019) brauchte nur wenige Linien für ihre Kunst. Doch sie erschuf mit diesen Linien eine ganz eigene Welt. Und so ist der Titel der Retrospektive in den Deichtorhallen, „A Life In A Few Lines“, sehr gut gewählt. Caland lebte in Beirut, Paris und in Venice, Kalifornien – hier hat sie diese sinnliche Kunst geschaffen, die in Deutschland wenig bekannt ist.

Doch man muss die 1931 in Beirut geborene Caland zu den ganz Großen zählen: Ihre Werke – Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Textilien – zeichnen sich durch besondere Originalität aus. Mit ihrer faszinierenden Mischung aus Abstraktion, figurativen Darstellungen und explizit erotischen Motiven war Caland ihrer Zeit voraus.

Erstaunlich offen und humorvoll thematisieren etwa Werkserien wie „Homage to Pubic Hair“ (1992) Sexualität, Erotik und Körperlichkeit. Am bekanntesten ist „Bribes de Corps“ aus den 70er Jahren mit ihren abstrakten und zugleich sinnlichen Darstellungen von Augen, Mündern, Gesäßen, Schenkeln und anderen sich berührenden Körperteilen.  Da wird ein Hüftschwung zur Landschaft, ein Detail zum Zentrum des Bildes. Das Erotische erscheint bei Caland weder provokant im lauten Sinn noch erklärungsbedürftig, sondern  selbstverständlich.

Sie hat es so formuliert: „Das Medium, das ich für meine Kunst verwende, ist größtenteils mein eigenes Leben. Jeder einzelne Austausch, ein Blick, ein Lächeln, eine kurze Begegnung.“ Ihr Werk, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, hat einen politischen, sozialen Impuls. 1969 war Caland Mitbegründerin der Nichtregierungsorganisation INAASH, die palästinensischen Frauen in libanesischen Flüchtlingslagern hilft, die Traditionen der palästinensischen Stickerei zu erlernen und zu vermarkten.

Es ist eine absolut großartige Ausstellung, denn dieses Werk verweigert auf das Allerschönste klare Kategorien. Sie ist feministisch, ohne programmatisch zu sein. Politisch, ohne Parolen zu formulieren. Humorvoll, ohne ihre Tiefe zu verlieren. Gerade diese Leichtigkeit macht ihre Arbeiten so präzise: Sie laden ein, statt zu belehren. In einer Kunstwelt, die oft nach Eindeutigkeit verlangt, bleibt ihr Œuvre offen, sinnlich und klug.

Deichtorhallen: Bis 26.4., Di-So 11-18 Uhr,jeden 1. Do im Monat bis 21 Uhr, 14 Euro

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