Ben Becker

Pathos, Leidenschaft, Furor: Ben Becker stürzt sich mit ganzer Kraft auf die Figur des Judas. Foto: FacelandCom

Ein Verräter? Ja schon, aber …: Ben Becker und sein gefeiertes Theaterprojekt

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Heiliger Bimbam! War Judas, der sprichwörtliche Superschurke im Rahmen der Ostergeschichte (a.k.a. „Passion“), vielleicht doch nicht so hinterhältig, durchtrieben, verräterisch, kurz: böse? Die biblischen Fakten sprechen für sich – und damit gegen ihn. 30 Silberlinge hat der Jünger kassiert, um das „letzte Abendmahl“ für alle Zeiten als festen Begriff zu etablieren. Nach Wein und Brot bringt ein verhängnisvoller Fingerzeig Jesus in Bedrängnis und schließlich ans Kreuz.

Es folgen Auferstehung und 2000 Jahre Christentum (to be continued!). Ende und Anfang des Gottessohnes bedingen also einander. Und hier nun wird es spannend. Eigentlich sollte man denken, dass dein Ruf brutal geschreddert ist, wenn die Bibel dich als Erzbösewicht darstellt und keine PR-Maßnahme dich je wieder rehabilitieren kann. Aber der Publizist Walter Jens hat in den Siebzigern einen Roman über diesen „Fall Judas“ geschrieben. Daraus entwickelte sich ein Theatermonolog, eine Verteidigungsrede des Vielgeschmähten. Und siehe da: Auf einmal erscheint die Sachlage in einem anderen Licht.

Jubiläumstour von Ben Beckers „Ich, Judas“

Warum musste Jesus sterben? Vielleicht ist es eine der größten Bühnenrollen der Menschheitsgeschichte – und insofern kein Wunder (!), dass sich Ben Becker mit ganzer Kraft auf diese Figur gestürzt hat. Pathos, Leidenschaft, Selbstmitleid, Furor, das kann der Charakterkopf.

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Vor zehn Jahren hat Becker zum ersten Mal „Ich, Judas“ gespielt. Nun ist er auf Jubiläumstour und schaut gleich zweimal in Hamburgs berühmtestem Gotteshaus vorbei. Rund um den Altar und zwischen den Gängen interpretiert Becker die Machenschaften von Judas: Wie er gezwungen gewesen sei, diese Freveltat zu begehen, und zwar als Dienst an der Menschheit. Denn ohne Tod Christi und ohne das Kreuz keine Kirche! Immerhin kommen während des Schauspiels auch Zweifel bei ihm auf. Was wäre der Welt erspart geblieben, wenn Jesus als alter, unbekannter Mann gestorben wäre, ein Prediger unter vielen? Kein Zweifel: Ben Becker als Judas ist ein Naturereignis. Das ist keine Glaubensfrage.

Hauptkirche St. Michaelis: 13./14.3., 19.30 Uhr, 46,90-66,50 Euro, reservix.de

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