„De Schimmelrieder“: Starke Inszenierung von Storms Sturmflutdrama
Fortschritt, Tradition und Aberglaube – darum geht es in „De Schimmelrieder“. Als gegenwartsnahe Auseinandersetzung brachte Regisseur Ingo Putz die über 100 Jahre alte Novelle des großen norddeutschen Erzählers Theodor Storm auf die Bühne. Nun ist die ausgezeichnete Inszenierung, die den Dichter quasi zum Zeitgenossen macht, zurück im Studio des Ohnsorg-Theaters.
Der alte „Diek“ taugt nichts! Fasziniert von der Urgewalt des Meeres sieht Hauke Haien – aufgrund seines technischen Verständnisses für Mathematik und Deichbau – bereits als Junge die Katastrophe voraus, die mit der nächsten schweren Sturmflut auf die Menschen an der Nordseeküste zurollt.
Durch seinen Sachverstand (und eine reiche Heirat) gelingt es dem ehrgeizigen Außenseiter, sich zum Deichgrafen hochzuarbeiten. Um besser gegen Sturmfluten gerüstet zu sein, treibt er gnadenlos den Bau des von ihm entwickelten neuen Deichs voran. Was Konflikte mit sich bringt. Den größten Widerstand gegen alle Veränderungen setzt ihm dabei Großknecht Ole Peters entgegen.
„De Schimmelrieder“: Kampf gegen die Naturgewalten
Der Kampf gegen die Kräfte der Natur bestimmt das Leben der Küstenbewohner. Das Wasserbecken auf der Bühne, eingerichtet von Yvonne Marcour, beansprucht den meisten Raum, lässt den Figuren nur einen schmalen Streifen „Land“ unter den Füßen und zwingt sie fast unablässig zum Hantieren mit Sandsäcken. Wobei Wasserspritzer schon mal die Zuschauer in der ersten Reihe treffen können – und sozusagen hautnah ins Geschehen hineinziehen.
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Neu in der bildstarken, düster-melancholischen Inszenierung: Marco Reimers als der in seiner Widersprüchlichkeit zwischen verbittertem Deichgrafen und liebevollem Vater gefangene Hauke Haien. In einer Vielzahl weiterer Rollen: Kristina Bremer unter anderen als Spökenkiekerin Trien Jans sowie Stephan Möller-Titel als Ole Peters. Die beiden verknüpfen hochdeutsche Originaltexte der Novelle mit op Platt geführten Dialogen in den Spielszenen. Packend und eindringlich.
Ohnsorg-Theater/Studio: bis 24.1., ab 31,81 Euro, Tel. 35 08 03 21, ohnsorg.de

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