Walter Sittler

Fernsehstar Walter Sittler liebt die Bühne und tourt regelmäßig mit Theaterproduktionen und Lesungen durch Deutschland. Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod

„Das ist Wellness für die Seele“: Schauspieler Walter Sittler im Interview

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Ob als Kommissar oder Liebhaber – immer ist er Sympathieträger und prägte die TV-Landschaft in den vergangenen Jahrzehnten wie kaum ein anderer. Aber seit Jahren tourt Walter Sittler (73) ebenso erfolgreich mit Literaturabenden. Sein Liebling: Erich Kästner. In Hamburg versetzt er sich, musikalisch unterstützt von den Sextanten, in die Kindheit des Autors: „Als ich ein kleiner Junge war“.

MOPO: „Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist Mensch“, schrieb Kästner. Haben Sie Ihr „Kind“ noch dabei?

Walter Sittler: Die vorurteilsfreie Neugier und die uneingeschränkte Hinwendung an Dinge, wie Kinder sie haben, versuche ich mir schon mein Leben lang zu erhalten. „Es gelingt nicht immer, aber man muss es stets von Neuem versuchen.“ Ein Zitat von Kästner. (lacht)

Sie lassen sich nicht nur von Musik unterbrechen, sondern auch zeitgleich begleiten …

Die Verknüpfung von Text und Musik ist ein Markenzeichen von Regisseur Martin Mühleis und seinem wichtigsten Komponisten Libor Sima. Die Musik wird hier ähnlich eingesetzt wie in guten Filmen, sie ist eine Art akustisches Bühnenbild und, ähnlich wie bei Stummfilmen, begleitet oder untermalt sie nicht nur die Geschichte, sondern erzählt sie mit.

Kongenial unterstützt wird Walter Sittler von der Band Sextanten. André Albrecht
Kongenial unterstützt wird Walter Sittler von der Band Sextanten.
Kongenial unterstützt wird Walter Sittler von der Band Sextanten.

Sie sprechen den Text nicht, Sie spielen ihn – und das seit 20 Jahren. Wie nah sind Sie dem Autor?

20 Jahre sind eine lange Zeit. Kästners Denken fühle ich mich nah und versuche, ihm jeden Abend näherzukommen. Diese Kästner-Abende sind für alle im Ensemble zu einer Art Zuhause geworden.

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Die beschriebene Kindheit Kästners liegt mehr als 100 Jahre zurück …

Kästner gehört zu denen, die charmant, aber unbestechlich durch die glänzenden Oberflächen des Lebens schneiden, um die darunter liegenden Strömungen sichtbar zu machen, sowohl in der Politik als auch im sozialen Gefüge. So werden die einengenden, manchmal auch brutalen Schranken der Gesellschaft, in der man lebt, sichtbar, und vielleicht wird Mut gemacht, dagegen vorzugehen. Das gilt heute wie damals.

Warum Kästner?

Die Kästner’sche „Neue Sachlichkeit“, die immer mit Wärme und Menschlichkeit, Respekt und Demut einhergeht, eignet sich wunderbar als Spiegel auf das Leben und die Menschen. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist es erfüllend, sich mit seinen Gedanken zu umgeben, sich davon inspirieren, vielleicht auch trösten zu lassen. Sie machen Mut und vermitteln Zuversicht. Können wir gerade gut brauchen. (lacht)

Was möchten Sie im Idealfall beim Publikum bewirken?

Mit guten Texten und guter Musik gelingt es im besten Fall, das Publikum zu sich selbst zu verführen. Literatur und Musik öffnen Fenster und Perspektiven, die in der rationalen Welt oft schnell verloren gehen. „Als ich ein kleiner Junge war“ im Michel und das zwei Tage vor Weihnachten – das ist Wellness für die Seele.

Hauptkirche St. Michaelis: 22.12., 19.30 Uhr, Karten für 55-69 Euro, Tel. 01806-57 00 57

Der Plan7 vom 19. Dezember 2025 MOPO
Der Plan7 vom 19. Dezember 2025
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