Cooler Trip in die Achtziger: Ausstellung – zwischen Kindheit und Erwachsenwerden
Was für eine coole, schlaue und geistreiche Ausstellung in der Galerie Affenfaust! Der Künstler Johan Schäfer beamt uns mit seiner Schau „Sie waren jung und rauchten das Geld“ zurück in die Achtziger und Neunziger, als wir mit unseren Scout-Ranzen den Weg zur Schule antreten mussten. Zurück in die Zeit der Disketten, dieser längst vergessenen magnetischen Datenträger: ganz einfache Dinge, aber auch Speicherort von Fantasie und Abenteuer!
Ins Riesenhafte bläst er diese Disketten, malt sie ganz groß mit Öl, Lack und Acryl auf die Leinwand. Aus Alltag wird Kunst: Ein ganz starker Pop-Surrealismus ist das, der von einer abenteuerlichen Vergangenheit erzählt. Diese Kunst schafft es, gleichzeitig nostalgisch, absurd und irgendwie erschreckend vertraut zu sein.
Schäfer beleuchtet die Phase zwischen Kindheit und Erwachsenwerden
Der 1981 in Hamburg geborene Künstler, der in Hamburg, Barcelona und Dresden studiert hat, konnte in den vergangenen Jahren einige Förderpreise und Auszeichnungen gewinnen, weil er unterhaltsamen, spielerischen Humor mit großer Ernsthaftigkeit verbindet.
- Johan Schäfer Erinnern Sie sich? Sogenannte Speichermedien in den 80ern und 90ern

Erinnern Sie sich? Sogenannte Speichermedien in den 80ern und 90ern - Johan Schäfer Eine Hörspielkassette.

Eine Hörspielkassette.
Seine übergroßen, gemalten Disketten zum Beispiel: Schäfer behandelt sie nicht wie veraltete, schrottige Datenträger, sondern wie archäologische Artefakte. Man steht vor diesen Arbeiten und erinnert sich: Auf diesen Dingern habe ich damals doch meine Hausarbeiten gespeichert! Und hört im Kopf den Sound dazu, das 56K-Modem-Einwählgeräusch ins Internet.
Oder dieser riesige Scout-Schulranzen, den der Künstler in Anlehnung an die Besitzerin „Sophie“ genannt hat: eine Erinnerung, aber auch eine Art Zeitkapsel. Sofort wird die Schulzeit auf fast unheimliche Art wieder präsent.
Erinnerung und Identitätsbildung
Es geht viel um Erinnerung in Schäfers Werk, um Identitätsbildung – oder um Lakritzschnecken, die wir von unserem Taschengeld kauften. Landschaften mit Feuerzeugen und Zigaretten verweisen auf eine Zeit, in der Taschengeld plötzlich anders ausgegeben wurde. Und so ergibt auch der großartige Titel der Ausstellung Sinn: „Sie waren jung und rauchten das Geld“ deutet auf jenen Lebensabschnitt hin, in dem Identität ausprobiert, wie auf einer Diskette immer neu überschrieben und damit auch verbrannt wurde. Wir waren nicht mehr Kinder, aber auch noch nicht erwachsen.
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Immer ist das Spiel mit dem Format bei Johan Schäfer von zentraler Bedeutung – das hat er sich von Pop-Art-Künstlern abgeschaut: Aus scheinbar banalen Gegenständen entstehen visuelle Pointen. Alltägliche Dinge übernehmen die Hauptrolle. Dabei behandelt Schäfer sie mit einer fast altmeisterlichen Ernsthaftigkeit. Und stellt so die Dinge nicht nur dar, sondern auch infrage. Es entsteht eine Kunst, die gleichzeitig präzise, verspielt und klug ist. Unbedingt ansehen!
Galerie Affenfaust: bis 11.4., Mi, Do, Sa, 14-18 Uhr, Paul-Roosen-Str. 43, Vernissage: 20.3., 19-22 Uhr, Eintritt frei

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