Zwei Männer tanzen mit Rudern auf der Bühne.

Die Band sorgt im Hintergrund für Musik, vorne gehört die Bühne den Brüdern (Jannik Nowak und Stephan Möller-Titel). Foto: Oliver Fantitsch

Buntes Revuetheater: Die Story hinter Hamburgs heimlicher Hymne

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Rein ins Vergnügen! Das Ohnsorg feiert mit „Jungs vun de Waterkant“ die Gebrüder Wolf. Launig schildert das revueartige Stück den Aufstieg der jüdischen Schlachtersöhne Ludwig und Leopold Wolf: zu Beginn des 20. Jahrhunderts als „Könige der Gesangshumoristen“ weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt.

Die Entscheidung, in der bunten Revuetheater- und Tingeltangelszene der Stadt mitzumischen, fällt im väterlichen Betrieb in der Neustadt – quasi zwischen „Snuten und Poten“. Zum Couplet „verwurstet“ wurden die Zutaten für das typische Hamburger „Arme-Leute-Essen“ das Erkennungslied des Duos.

Das Ohnsorg feiert mit „Jungs vun de Waterkant“ die Gebrüder Wolf

Geschäftstüchtig zeigt sich vor allem Ludwig Wolf (Stephan Möller-Titel). Ihm, der auf Knochenarbeit wenig Lust hat, ist schnell klar, warum seine Singerei auf dem Dom ziemlich brotlose Kunst ist. Die Leute wollen keine Arien, sondern Unterhaltung. Ludwig und Leopold (Jannik Nowak: schlüpft nach Leopolds plötzlichem Tod als dessen Sohn James Iwan in die Figur des Vaters) liefern ihnen „Hausmannskost“ nach ihrem Geschmack: Deftige Sketche, Gassenhauer, volksnahes Amüsement als Kultkomiker „Fietje“ und „Tetje“.

Autor Ingo Putz, der die Uraufführung der „Jungs vun de Waterkant“ auch inszenierte, holt den Zauber des historischen Varietés zurück. Über den riesigen Grammophon-Trichter im Bühnenhintergrund laufen Hamburg-Videos in 1920er-Schwarzweiß-Optik. Für die musikalische Untermalung und die Live-Orchesterbegleitung zu den Show-Einlagen der Unterhaltungsstars ist die Band Mahoin mit an Bord. Und durch ihre bewegte Lebensgeschichte führen Caroline Kiesewetter und Rabea Lübbe, eindrucksvoll vor allem in der beklemmendsten Szene des Abends: Die schillernde Varieté-Karriere endet mit Auftrittsverbot, Flucht und Deportation.

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Auf die ernsten und nachdenklich stimmenden Töne folgt dann ein harmonischer Schluss: Leopold und Ludwig (der 1955 in seiner Heimatstadt starb) sind im Himmel wieder vereint – durch ihren Witz und Humor aber bleiben die Schöpfer der heimlichen Hamburg-Hymne, was sie bereits zu Lebzeiten waren: Die „Jungs mit ’n Tüdelband“.

Ohnsorg: bis 16.4., div. Zeiten, ab 43,12 Euro, ohnsorg.de

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