„Bilderechos aus Peru“: Alte Fotos – neu gesehen
Archive müssen keineswegs Orte mit verstaubten Dingen sein. Das beweist die Ausstellung „Bilderechos aus Peru“ im MARKK, die im Rahmen der 9. Triennale der Photographie stattfindet.
Es sind Bilder und Tonaufnahmen des deutschen Ingenieurs und Amateurforschers Hans Heinrich Brüning (1848-1928), der über Jahrzehnte Menschen, Landschaften und das Alltagsleben im Norden Perus dokumentierte. 1875 war Brüning als Schiffsingenieur nach Peru gekommen und verdiente seinen Lebensunterhalt mit der Wartung und Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Maschinen. Brüning bereiste das Land und machte mehr als 2000 Fotografien, deren Glasfotoplatten erhalten sind.
Ausstellung: Künstler interpretieren „Bilderechos aus Peru“
Was zunächst wie ein koloniales Bildarchiv aus dem späten 19. Jahrhundert erscheint, entfaltet sich zu einer faszinierenden Reise durch die Zeit, denn seit den 1980er Jahren entdecken unterschiedliche Akteur:innen in Nordperu Brünings Archiv neu für sich. Spannend ist, dass die Ausstellung die Fotografien nicht als historische Dokumente behandelt. Stattdessen fragt sie: Was geschieht, wenn Menschen der Gegenwart auf diese Bilder blicken? Welche Geschichten entdecken die Nachfahren der Porträtierten? Welche Bedeutungen entstehen neu?
So entsteht im MARKK ein lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Historische Fotografien treffen auf zeitgenössische künstlerische Arbeiten und neue Formen wie die künstlerischen Fotokeramiken von Enzo Miguel Matute oder die gestickten „Interventionen“ von Marystela Camacho. Die Bilder werden weitergedacht, hinterfragt und ergänzt.
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„Bilderechos aus Peru“ ist eine Einladung, darüber nachzudenken, wie Bilder unser Verständnis von Geschichte prägen – und wie jede Generation ihre eigenen Antworten auf die Fragen der Vergangenheit findet. Dass dies berührend und überraschend unterhaltsam gelingt, macht den Reiz dieser sehr besonderen Ausstellung aus.
MARKK: bis 27.6.2027, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Eintritt 9,50 Euro
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