Ein Schauspieler sitzt auf der Bühne hinter einem Metallfass.

Markus Feustel ist noch bis 25. April als Walter Proska in „Der Überläufer“ zu erleben. Foto: Bo Lahola

Aufwühlend und intensiv: „Der Überläufer“ zeigt die Schrecken des Krieges

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Wäre man in seiner Situation – wie hätte man selbst damals gehandelt? Und wie würde man sich heute entscheiden? Das sind die Fragen, auf die sich an den Kammerspielen „Der Überläufer“, die Geschichte eines jungen Soldaten der deutschen Wehrmacht, zuspitzt.

Die Kammerspiele ehren Siegfried Lenz (1926-2014) zu dessen 100. Geburtstag mit einer eigenen Uraufführungs-Bühnenadaption (Textfassung: Intendant Axel Schneider) des bereits 1952 fertiggestellten Antikriegsromans „Der Überläufer“. Das Buch-Manuskript wurde damals vom Verlag abgelehnt und erst 2016 nach Lenz’ Tod wiederentdeckt  und veröffentlicht: Ein gestern wie heute brisanter Stoff, der Fragen nach Pflicht, Schuld und Verrat stellt.

Kammerspiele zeigen Uraufführung von Siegfried Lenz’ „Der Überläufer“

Die Geschichte beginnt im Sommer 1944. Walter Proska (Markus Feustel) aus dem masurischen Lyck ist auf der Fahrt zurück zu seiner Einheit an die Ostfront. Doch der Zug entgleist durch ein Sprengstoffattentat polnischer Partisanen. Walter, der einzige Überlebende des Anschlags, wird danach einer kleinen Einheit zugeteilt, die eine Bahnstrecke überwachen soll.

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Uraufführungsregisseur Kai Hufnagel erzählt vom Leben im Lager; in einem schwarz ausgeschlagenen Bühnenraum (von Lars Peter), der ­– ganz ohne den Einsatz von Gewehren und Stahlhelmen – die düstere Brutalität des Krieges in Atmosphäre und Bildern einfängt. Das beständige Hantieren mit Metallstangen, das Einschlagen auf Metallfässer, dazu schwere Schritte, Trampeln und Tritte erzeugen eine Geräuschkulisse, die in Alarmstimmung versetzt. Und das Ensemble macht jederzeit eindrucksvoll die Gefahr und die Bedrohung der Männer spürbar, die in der ständigen Angst vor Partisanenangriffen leben und in ihrer Stellung „Waldesruh“ letztlich auf verlorenem Posten kämpfen.

Aufwühlender und intensiver Theaterabend

Auf den Metallfässern wird gestanden – auf sie wird aber auch mit Stangen eingeschlagen. Bo Lahola
Ein Schauspieler steht auf der Bühne auf zwei Metallfässern.
Auf den Metallfässern wird gestanden – auf sie wird aber auch mit Stangen eingeschlagen.

Durch Männer wie Unteroffizier Willi Stehauf (Thomas Klees), die bereit sind, ihr Leben zu opfern, die vielen Toten auf beiden Seiten und das unermessliche Leid, das der Kampf für ein unbedeutendes Ziel fordert, entlarvt sich die Absurdität des Krieges. Ein Wahnsinn, den Walter Proska, der sich in die polnische Partisanin Wanda (Anke Bautzmann) verliebt hat, zu hinterfragen beginnt. Innerlich aufgerieben zwischen moralischem Gewissen und Pflichtgefühl, entscheidet er aus nacktem Überlebenswillen, die Seiten zu wechseln.

Ein aufwühlender, intensiver Theaterabend. Ein Bühnenerlebnis, das unter die Haut geht.

Kammerspiele: bis 25.4., diverse Uhrzeiten und Termine, 21-46 Euro, Tel. 413 34 40, hamburger-kammerspiele.de

Der Plan7 vom 10. April 2026 MOPO
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