Applaus war gestern: „CARE“ – Ausstellung zeigt, was Pflege wirklich bedeutet
Spätestens mit Corona wurde allen klar: Die Pflegeberufe halten die Gesellschaft am Laufen. Damals wurden Pfleger und Pflegerinnen zu „Helden“ ernannt und gefeiert. Und heute? Fühlen sich viele von ihnen immer noch nicht wertgeschätzt. In der Ausstellung „CARE! Wenn aus Liebe Arbeit wird“ geht es um bezahlte und unbezahlte Arbeit in Pflegeberufen, sozialen Diensten, Kitas – und in der eigenen Familie.
Die Schau im Museum der Arbeit präsentiert historische Bilder, etwa eine Fotoserie aus den 60er Jahren, die den Arbeitsalltag einer jungen Krankenschwester abbildet. Andere Fotografien zeigen die Gegenwart, etwa die Arbeit einer Palliativpflegerin.
Appell an Solidarität und Mitgefühl
Wir sehen Videos mit Interviews und kurzen Statements von Care-Arbeitern, Filmausschnitte und Kunst-Installationen – und auch die Frage wird gestellt, wie Robotik und KI in der Pflege zum Wohle der Menschen eingesetzt werden können. In Japan streicheln Roboter inzwischen Sterbende.
Wollen wir das? Wie können wir die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern? Es sind ganz grundlegende, auch ethische Fragen, die hier verhandelt werden.

„CARE!“ will Impulsgeber sein. Will Fragen stellen, an Solidarität und Mitgefühl appellieren. Umfangreich ist auch das Rahmenprogramm, etwa mit einem Stadtspaziergang unter dem Motto „Küche, Care, Kunst“ und mit „Protest-Sticken“. Es gibt Workshops zu Care-Arbeit und „Feminist Burnout“, öffentlichen Führungen, FLINTA*-Poetry Slam, Filmvorführungen im Abaton mit Gästen – und noch einigem mehr.
75 Prozent der Beschäftigten sind weiblich
Pflege-Arbeit kann man auch in Zahlen messen. Frauen machen auch heute immer noch im Durchschnitt wöchentlich neun Stunden mehr Hausarbeit als Männer. Überhaupt scheint sich die Lage nicht wirklich zu bessern: Öffentliche Krankenhäuser werden geschlossen. Die Pflege wird mehr und mehr privatisiert, um Profit zu erwirtschaften.

Es sind vor allem immer noch Frauen, die die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Pflege nicht scheuen: 75 Prozent der Beschäftigten sind weiblich und, nicht zu vergessen: Überproportional viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund.
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Applaus vom Balkon gab es jede Menge zur Corona-Zeit. Längst ist er verstummt und das, was diese Menschen für uns tun, ist wieder ganz selbstverständlich geworden.
Museum der Arbeit: bis 3.5.26, Mi-Fr 10-17 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, Mo 10-21 Uhr, 8,50 Euro, shmh.de

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