Am Ende gibt’s ’ne harte Landung: Weltbekanntes Theaterstück am Schauspielhaus
Warum gehört „Die Möwe“ zu den meistgespielten Theaterstücken auf den Bühnen der Welt? Es trifft offenbar einen Kern des menschlichen Wesens. Sonst würden die Geschehnisse auf einem Landgut in der tiefsten russischen Provinz am Ende des 19. Jahrhunderts nicht immer und immer wieder beleuchtet, interpretiert, umgeschrieben und aufgerüscht. Wie jetzt auch am Schauspielhaus.
„Die Möwe“ erzählt von Träumen und vom Verlangen. Und vom Scheitern: an den Umständen und an sich selbst. Alle, die nicht komplett unreflektiert vor sich hinvegetieren, finden in dem Tschechow-Stück von 1895 Blaupausen, die sich mit mancher gelebten Erfahrung decken, sowie mit Situationen, die die eigene Biografie geprägt haben. Dabei ist der Stoff keineswegs Therapie, eher eine Art Katharsis. Im Übrigen gilt: Scheitern kann sehr lustig sein. In einem gesunden Abstand genossen – aus dem Parkett etwa – entfaltet sich in der Tragödie der Figuren eine menschliche Komödie.
„Die Möwe“ ist Tschechows Dauerbrenner-Drama
Da ist der angehende Schriftsteller Treplev, den es nach Erfolg dürstet. Aber Arkadina, seine Mutter, hält ihn in Wort und Tat klein. Zugleich führt sie eine Beziehung zu dem bereits bekannten Autor Trigorin. Der verdreht Nina, Treplevs Augenstern, den Kopf und reist mit ihr nach Moskau. Als Nina zwei Jahre später zurückkehrt, ist sie als Schauspielerin und Geliebte desillusioniert. Ist es ein Trost, dass es niemandem besser geht? Und schon gar nicht Treplev, dem armen Tropf!
In der ersten großen Premiere des Jahres im Schauspielhaus führt mit Yana Ross eine der interessantesten Regisseurinnen Europas Regie. Geboren in Moskau, aufgewachsen in Lettland, in fast allen Ländern des Kontinents und auf vielen großen Bühnen tätig, bringt sie ihren ganz eigenen Blick auf Anton Tschechows Werk mit.
Das könnte Sie auch interessieren: Kribbeln in’n Buuk: So startet das Ohnsorg Theater ins neue Jahr
Und weil „Die Möwe“ auch ein Stück über die Kunst, ihre Möglichkeiten und Begrenzungen ist, ringt das Theater hier immer mit sich selbst. Im besten Fall entstehen dabei Szenen, die sich mit ausgebreiteten Schwingen erheben. Dann besteht auch keine Gefahr, dass mit der Inszenierung das passiert, was in der Handlung geschieht: Möwe tot, Stimmung futsch.
Schauspielhaus: 23./25.1., 19./24.2., diverse Uhrzeiten, 11-79 Euro, Tel. 24 87 13, schauspielhaus.de
Dieser Tipp kommt aus Plan7, der Kultur- und Veranstaltungsbeilage in der neuen WochenMOPO (jeden Freitag neu am Kiosk, hier im günstigen Kennenlern-Abo). Plan7 – das sind 28 Seiten voller Kultur und Inspiration für Ihre Freizeit: Kultur-Tipps für jeden Tag der Woche, Tipps für Gastro-Fans und für Hamburg- und Umland-Entdecker. Dazu gibt’s Interviews und Verlosungen für Konzerte, Lesungen, Shows und mehr.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.