Abgrund und Aufbruch: „Stunde Null“ – eine Familie nach dem Zweiten Weltkrieg
Es ist das Theaterstück des Jahres – oder besser, zum Jahr 2025: eine Erinnerung an das Ende der Nazi-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren. „Stunde Null?“ Gab es die 1945 wirklich? Tatsächlich befand sich damals „Deutschland zwischen Abgrund und Aufbruch“.
Der Abend vom Theater Axensprung könnte kaum weiter weg sein von einer trockenen Geschichtslektion. 100 Minuten inmitten einer Hamburger Familie, die es so oder ähnlich vielfach gab: Der Vater kehrt traumatisiert aus Kriegsgefangenschaft zurück und schweigt. Seiner Frau ist er fremd geworden, sie musste eigene Überlebensstrategien entwickeln, für sich und ihre Tochter; die wiederum bleibt mit ihren Fragen allein. Ein Onkel sympathisiert mit den sozialistischen Ideen der Besatzungszone im Osten. Und ein ehemals enger jüdischer Freund der Familie steht plötzlich als britischer Besatzungssoldat vor der Tür, mit dem Auftrag zur Entnazifizierung!
Reichlich Zündstoff, erst recht da der Alltag aus Hunger, Kälte und dem täglichen Kampf auf dem Schwarzmarkt besteht. Die frühere Liebesbeziehung zwischen der Mutter und dem emigrierten Juden macht die Lage nicht einfacher – und plötzlich steht auch noch die Frage einer Vaterschaft im Raum …
Berührende Geschichte basiert auf Zeitzeugen-Interviews

Aus Zeitzeugen-Interviews haben die Autoren Oliver Hermann und Markus Voigt (der auch die Musik komponierte) eine berührende Geschichte gefiltert, die stellvertretend für die Erfahrungen vieler Menschen jener Jahre steht: Zu sehr ums tägliche Überleben bemüht, bleibt die Bewältigung der Vergangenheit auf der Strecke. „Es brauchte viele Jahre, bis man in Deutschland überhaupt in der Lage war, über die Gräuel und Schrecken der NS-Zeit offen zu sprechen. Zu groß war die Verdrängung“, sagen die Autoren.
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Von einem Neubeginn, einer „Stunde Null“ zu sprechen, greift also zu kurz. Das Stück hingegen schaut genauer hin: mit großartigen Darsteller:innen und passgenauer Musik in Erik Schäfflers Inszenierung.
Mahnmal St. Nikolai: 22./23.11., 18 Uhr, 24.-27.11., 19 Uhr, Willy-Brandt-Str. 60, 15/30 Euro, mahnmal-st-nikolai.ticketfritz.de

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