Paul Kalkbrenner in Hamburg: Darf das Konzert überhaupt stattfinden?
Tickets sind schon verkauft, die Werbung läuft – doch ob der Berliner Techno-Star Paul Kalkbrenner soll am 27. Juni mit bis zu 20.000 Fans auf dem Heiligengeistfeld auftreten darf, ist bislang offen. Ausgerechnet beim Lärmschutz sehen die Behörden große Hürden. Der Veranstalter bleibt trotzdem optimistisch.
Wie das Bezirksamt Hamburg-Mitte auf Anfrage der MOPO mitteilt, hat der Veranstalter zwar bereits Mitte Dezember einen Antrag gestellt, die Unterlagen seien bislang aber noch unvollständig. „Ob eine Genehmigung erteilt werden kann, erscheint derzeit offen“, heißt es aus der Behörde.
Besonders problematisch sei der Lärmschutz: Da es bislang keine Konzerte dieser Größenordnung auf dem Heiligengeistfeld gegeben habe, sei unklar, ob die einzuhaltenden Grenzwerte grundsätzlich nachgewiesen werden könnten. Ein entsprechender Nachweis liege aktuell nicht vor. Zudem sei es Veranstaltern bislang noch nie gelungen, diese Werte für Konzerte dieser Dimension auf dem Heiligengeistfeld belastbar zu belegen.
Paul Kalkbrenner: Anwohner in Sorge – Veranstalter zuversichtlich
Trotzdem läuft der Vorverkauf mit Ticketpreisen zwischen rund 80 und 90 Euro weiter. Für Anwohnerinnen und Anwohner ist das ein sensibles Thema. Spätestens seit dem EM-Fanfest 2024 mit zahlreichen Beschwerden über die Lautstärke steht das Heiligengeistfeld besonders im Fokus, wenn es um neue Großveranstaltungen geht.

Der Veranstalter AC2B aus Würzburg gibt sich auf Anfrage der MOPO dennoch zuversichtlich. Projektleiter Raymond Oberst sagt: „Konzertplanungen und Ticketvorverkäufe ohne bestehende Genehmigungen sind in der Branche leider üblich, da diese zumeist erst kurz vorher ausgesprochen werden.“ Man habe jedoch im Vorfeld Gespräche mit dem Bezirk geführt und geprüft, ob die Anforderungen grundsätzlich erfüllbar seien.
Zu leise, zu laut? So soll die Lautstärke optimal geregelt werden
Auch beim Thema Lärmschutz sieht sich AC2B vorbereitet. Geplant sei ein sogenanntes dezentrales Beschallungssystem, bei dem viele einzelne Lautsprecher gezielt das Publikum beschallen, statt mit großen Anlagen rund um die Bühne zu arbeiten. So solle sichergestellt werden, dass an den umliegenden Wohnhäusern die Grenze von 70 Dezibel nicht überschritten werde. „Das ist technisch aufwendig und teuer, aber notwendig“, so Oberst. Zusätzlich werde ein Ingenieurbüro Messungen durchführen und ein Gutachten erstellen, das die Einhaltung der Grenzwerte belegen soll.
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Dass Lärm bei Kalkbrenner-Konzerten immer wieder Thema ist, zeigt der Blick in andere Städte: In Karlsruhe gab es 2024 zahlreiche Beschwerden wegen zu hoher Lautstärke, in Dresden wiederum kritisierten Fans denselben Sommer einen Auftritt als „zu leise“.
Das subjektive Empfinden gehe dabei oft weit auseinander, räumt auch der Veranstalter ein. Ein Ausweichplan für Hamburg existiert nach eigenen Angaben noch nicht. „Damit haben wir uns bisher nicht beschäftigt, weil wir sehr zuversichtlich sind, dass wir die Auflagen erfüllen können“, so Oberst.
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