Tourabschluss in Hamburg: Stimmlich top, aber Pete Doherty ist platt

Anzugjacke, Hut, Hosenträger, Goldkette: Pete Doherty in der Großen Freiheit.
Anzugjacke, Hut, Hosenträger, Goldkette: Pete Doherty in der Großen Freiheit.

Tourabschluss für Peter Doherty und seine Band am Montagabend in der Großen Freiheit: Der einstige „Skandalrocker“ ist bei seinem Konzert stimmlich voll da, wirkt aber übermüdet. Ein „Best Of“ aus Libertines-, Babyshambles- und Solo-Hits gibt es trotzdem.

„There Is A Light That Goes Out NICHT!“, sagt Peter Doherty am Ende seines Konzerts und deutscht den The Smiths-Klassiker ein bisschen falsch ein. Was stimmt: Irgendwo, selbst im tiefsten Dreckloch, glimmt immer noch ein Lichtchen. Wer wüsste das besser als der Mann, der schon zigmal totgesagt wurde, die scheiß Drogen vor ein paar Jahren dann gegen ein abgeschiedenes Leben in der Normandie tauschte. Hochzeit, Familie, Songs schreiben. Die haben ihn ja noch nie im Stich gelassen. Ob bei den Libertines, den Babyshambles oder Solo.

Peter Doherty in Hamburg: Ulkiges Detail zu Beginn

Was direkt auffällt: Er ist wieder schmaler geworden. Die elegante, braune Hose rutscht immer wieder, da helfen auch die schicken Hosenträger wenig. Mit Anzugjacke, Hut, weißem Hemd und Goldkette könnte er sowieso direkt aus dem Set eines Mafiastreifens herüber spaziert sein. Ulkiges Detail: Statt einer Gitarre hält Peter Doherty zu Beginn eine eingerollte Zeitung in der Hand, fächelt sich Luft damit zu.

Stimmlich ist der 46-Jährige bestens beisammen: Von „Last Of The English Roses“ über den Titelsongs seines aktuellen Albums „Felt Better Alive“ bis zum Libertines-Klassiker „Time For Heroes“ passt alles, nichts wackelt. Aber Doherty wirkt müde, sehr, sehr müde: Pete ist platt. Mehrere Wochen Tour haben ihre Spuren hinterlassen.

Pete ist platt: Nach einer halben Stunde bekommt man fast Mitleid

Mehrmals setzt er sich für kurze Pausen auf die Bühne. Nach einer halben Stunde bekommt man fast Mitleid und möchte ihn umgehend ins Bett schicken. Da hat er zwischenzeitlich schon vergessen, welcher Song als nächstes dran ist. Ein Gefahrensucher aus dem Publikum verlangt ernsthaft „Wonderwall“. Doherty kontert: „Es gibt da eine Oasis-Cover-Band drei Straßenecken weiter, die sind ziemlich gut.“ Später wird er tatsächlich einen Oasis-Song anspielen: „Don’t Look Back in Anger“, verwoben mit „Ride Into The Sun“ von The Velvet Underground. In seiner Tourband spielt mit Mick Joyce sogar der einstige Drummer der Smiths (!), was mit gleich zwei Cover-Versionen in der Setlist belohnt wird.

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Bevor sie deren Klassiker „There Is A Light That Never Goes Out“ als Zugabe spielen, flippen in der Freiheit alle noch mal dezent aus, denn Doherty rotzt sein „Fuck Forever“ (Babyshambles) ins Rund, da wirkt er auf einmal wieder hellwach. Kurz darauf trottet Dohertys große, braune Hündin Gladys auf die Bühne, die wie selbstverständlich zur Tour-Entourage gehört. Dohertys Frau Katia de Vides steht ja ohnehin neben ihm auf der Bühne, spielt Keyboards.

Peter Doherty im Jahr 2026: Family Affair statt Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll

Peter Doherty im Jahr 2026, das ist eher eine Family Affair als Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll. In seinem Song „Pot of Gold“, einem Liebeslied an seine zweijährige Tochter Billie-May, singt er den ganzen „cool shit“, den er ihr kaufen wird, wenn der Song denn ein Hit wird. Da wundert es einen auch nicht mehr, dass Dohertys letzter Dank in Hamburg „Tommy, dem Busfahrer“ gilt, der die Band in den vergangenen Wochen herum kutschierte. Immer mit Licht, ganz sicher.