The Human League in Hamburg: Stil ist keine Frage des Alters

The Human League-Frontman Philip Oakey
The Human League-Frontman Philip Oakey ist nachwievor ein fabelhafter Sänger (hier bei einem Auftritt in Oslo)

Eine mit weißen Instrumenten ausgestattete Bühne, ein glasklarer Sound, die tolle Stimme von Sänger Philip Oakey, dazu Hits wie „Don’t You Want Me“ und „Together (In Electric Dreams)“: Die Synthiepophelden The Human League begeisterten am Mittwoch bei ihrem restlos ausverkauften Konzert im Docks. Obwohl viele ihrer Songs schon mehr als vier Dekaden auf dem Buckel haben, wirkte nichts daran angestaubt.

Eigentlich hätten The Human League schon 2020 auf Konzertreise nach Deutschland kommen sollen. Doch die Pandemie hat das verhindert. Dafür ist ihre Tour nun komplett ausverkauft. In Zeiten, in denen selbst bekannte Acts ihre Konzerte verschieben, weil das Publikum lieber für Massenevents wie Adele, Taylor Swift oder Coldplay Tickets kauft, nicht unbedingt selbstverständlich.

Aber das ausgefeilte, melodische Achtziger-Songwriting setzt sich eben auch heute noch durch. Bei manchen Acts aus besagter Dekade reicht es nur für Achtziger-Festivals, auf denen sie dann ihre zwei bis drei Hits zum Playback darbieten. Bei anderen Bands jener Ära hat man das Gefühl, dass sie live erst seit den 2000ern so richtig zur Hochform auflaufen. Dazu gehören neben den Pet Shop Boys, Tears For Fears, Heaven 17 und OMD auf jeden Fall auch The Human League.

Philip Oakey: Stimme kernig-tief wie früher

Im Docks stehen die Menschen am Mittwochabend bis hinten an der Bar dicht gedrängt, als die Gruppe aus dem nordenglischen Sheffield mit „Hard Times“, der aufmunternden Tanznummer „Love Action“ und dem Mitsing-Hit „Mirror Man“ loslegt. Oakey ist nach wie vor ein fabelhafter Sänger; seine Stimme klingt so kernig-tief wie früher und so markant, dass man sie aus einem Meer von Stimmen spielend leicht heraushören könnte. Seine geometrische Frisur aus den Achtzigern, für die er nur auf einer Seite das Haar ganz lang trug, ist längst einem rasierten Haupt gewichen.

The Human League-Sängerin Susan Ann Sulley
The Human League-Sängerin Susan Ann Sulley feuert das Publikum an.

Doch seinen Sinn für glamouröse Bühnengarderobe hat Oakey bis heute nicht verloren. Gleich mehrmals wechselt er an diesem Abend die Garderobe: Ob schwarze Jacke mit ausgestellten Schultern und Sonnenbrille, ob weißes Hemd mit schmalem Schlips oder heller Anzug – der gertenschlanke Sänger und Songwriter von The Human League macht eine gute Figur, während er immer wieder die Bühne abläuft oder hoch oben auf einem Podest vor der Leinwand performt.

Oakey ist das einzig verbliebene Mitglied der Original-Besetzung von 1977. Aber natürlich verbindet man mit der erfolgreicheren 1980er-Version der Gruppe auch die zwei Sängerinnen Susan Ann Sulley und Joanne Catherall, die ihn wie damals stilvoll tanzend einrahmen und immer noch ein funkelnder Hingucker sind.

Das Bühneninventar ist ganz in Weiß gehalten, zwei Begleit-Musiker posieren mit ihren weißen Hand-Keyboards für einen Song auf einem Podest– mehr Achtziger geht nicht. Über die Leinwand flimmern modern gestaltete Videos und Animationen. Alles piekfein. Stil ist eben keine Frage des Alters.

The Human League in Hamburg: eine Setlist zum Niederknien

Die Setlist ist zum Niederknien. Wenn The Human League den Song „Soundtrack To A Generation“ zum Besten geben, beschreiben sie damit gleichzeitig das Lebensgefühl der Generation X. Von der wunderschönen Ballade „Louise“ über ihren Neunziger-Comeback-Hit „Tell Me When“ bis zu ihrem Spätwerk „All I Ever Wanted“ macht alles glücklich. Wenn Oakey den Song „The Lebanon“ von 1984 darbietet, das politischte und gitarrenlastigste Lied, das The Human League jemals veröffentlicht haben, mit einem Statement über den damaligen libanesischen Bürgerkrieg, verlässt man allerdings für einen Moment die schöne Synthiepop-Blase, denn im Jahr 2024 steht der Libanon wieder in Flammen. „Sound Of The Crowd“ kommt unter dem Stimmeinsatz der Frauen wie ein vertonter Orgasmus daher.

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Bei ihrem Jahrhundert-Hit „Don’t You Want Me“ singt der ganze Saal mit. Ihren schönen Herzschmerzsong „Human“ spielen sie leider an diesem Abend nicht. Mit dem Frühwerk „Being Boiled“ und dem euphorischen „Together (In Electric Dreams)“, das Oakey 1985 mit Giorgio Moroder zum gleichnamigen Film aufgenommen hatte, verabschieden sich The Human League und bedanken sich bei ihren deutschen Fans für die jahrelange Treue. Nach diesem fabelhaften Auftritt dürfte ihnen diese auch weiterhin sicher sein.

Eine mit weißen Instrumenten ausgestattete Bühne, ein glasklarer Sound, die tolle Stimme von Sänger Philip Oakey, dazu Hits wie „Don’t You Want Me“ und „Together (In Electric Dreams)“: Die Synthiepophelden The Human League begeisterten am Mittwoch bei ihrem restlos ausverkauften Konzert im Docks. Obwohl viele ihrer Songs schon mehr als vier Dekaden auf dem Buckel haben, wirkte nichts daran angestaubt.