The Fray bringen das Docks zum Beben – plötzlich legt sich ein Star auf die Nase
Sehen Sie, da ist man auf dem Weg zum Konzert von The Fray und fühlt sich plötzlich latent alt. Weil man, während man so über den Spielbudenplatz zum Docks schlendert, mal Kopfrechnen betrieben hat. Wie lange es her ist, dass man einst „How To Save A Life“ auf dem „Grey’s Anatomy“-Soundtrack gehört oder zu „You Found Me“ mitgeschmachtet hat. Das Rechnen wäre allerdings nicht nötig gewesen – schließlich findet die aktuelle Tour der US-Amerikaner quasi als Geburtstagsgeschenk für ihr Debütalbum statt, auf dem sich all diese Songs finden. Und das wird in diesem Jahr 20.
Das Publikum im ausverkauften Docks war damals größtenteils vermutlich noch nicht dabei (oder durfte schon in sehr jungem Alter „Grey’s Anatomy“ gucken). Der Schnitt liegt hier vielleicht bei 30, und die Frauen sind ganz klar in der Überzahl. Nicht sehr verwunderlich: Auf der Bühne geht es nämlich schonungslos gefühlvoll zu.
The Fray in Hamburg: Profis mit ganz viel Gefühl
Die Band um Sänger Joe King verliert sich nicht in Gesabbel. King freut sich, nach einigen Jahren endlich wieder in Hamburg zu sein, bedankt sich später für die langjährige Treue der Fans und kündigt „Over My Head“ als den Song an, der ihnen einst zum Durchbruch verholfen hat. Ansonsten wird sich effizient durch die Songs des ersten Albums gespielt – und das ganz fantastisch. Die Band spielt, als würde sie hier und heute das Album aufnehmen. Alles sitzt (bis auf einen kleinen Verspieler am Ende von „Fall Away“), und ihr Frontmann singt mit dieser perfekten Powerpop-Stimme – seidig weich, bis bei extra viel Emotionen ein bisschen Kratzigkeit durchscheint, oder ein wehmütiger kleiner Jauler eingebaut wird.
Joe King tanzt so leidenschaftlich, dass er sich glatt auf die Nase legt
Bei „My Heart Is A Crowded Room“ schlängelt sich Joe King – wie passend – durch den rappelvollen Saal, zum Entzücken der Fans. Und zu „Hurricane“ tanzt er dermaßen leidenschaftlich, dass er sich am Ende glatt auf die Nase legt. Nicht schlimm: So kann er direkt die Rosen aufheben, die ihm jemand auf die Bühne geworfen hat, und an die Bandmitglieder verteilen.
Das Publikum ist begeistert – und The Fray legen nach
Das Publikum beweist aber ebenso viel Professionalität und Enthusiasmus wie die Band: Von der ersten Sekunde an wird gejubelt, mitgesungen und mitgeklatscht. Die Kühle, die den Hamburgern ja gern mal vorgeworfen wird, ist im Docks nirgends zu spüren. Vielleicht als Dankeschön hängen The Fray an ihre drei größten Hits dann je noch einmal eine Reprise des Refrains an. Einfach weil’s so schön ist. Und so nochmal alle beseelt mitsingen können.
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Inklusive Zugabe ist um halb zehn alles vorbei. Macht aber nix: In diesen anderthalb Stunden steckte alles, was man sich als Fan wünschen konnte. Und: Wir werden ja schließlich auch alle nicht jünger.