Slipknot in Hamburg: Clowns und Helden – und blutende Ohren

Slipknot-Frontmann Corey Taylor sieht ungefähr so freundlich aus wie der Clown aus „Es“ – in Wirklichkeit aber bedankt er sich sogar artig bei den Fans für ihr Erscheinen
Slipknot-Frontmann Corey Taylor sieht ungefähr so freundlich aus wie der Clown aus „Es“ – in Wirklichkeit aber bedankt er sich sogar artig bei den Fans für ihr Erscheinen

Am Anfang laufen Blondie und Bowie – dann bricht das Inferno aus. Slipknot zerlegten am Dienstagabend die ausverkaufte Barclays Arena im routinierten Zusammenspiel aus erbarmungslos tackernder Double-Bassdrum, Computerspiel-Ästhetik und Feuer-Kaskaden. Papa trinkt dazu Bier und Sohnemann filmt. Die Metal-Berserker sind im 28. Jahr ihres Bestehens familientauglich geworden. Ob einem nicht doch Blut aus den Ohren läuft, das muss man am Ende aber trotzdem vorsichtshalber kontrollieren.

Die riesige Halle ist pickepackevoll bis unter’s Dach. Und drinnen gibt’s schon vor Beginn subtropische Hitze und es riecht nach Erwartung (Schweiß). Ein bisschen so wie 1999. Aber da waren die maskentragenden Ballermänner um Corey Taylor noch im zum Bersten gefüllten Logo an der Grindelallee am Start und ließen dort das Schwitzwasser von der Decke tropfen. Seitdem: weltweiter Siegeszug. Tod. Trennungen. Familien-Dramen.

Die Bühne sieht aus wie ein Level aus dem Düster-Egoshooter „Quake“. Und als die ersten Böllerschüsse ballern, zuckt man zusammen, als wäre gerade der Endgegner um die Ecke gebogen. Der Sound ist ganz gut für all das Geboller und Gebölke, das es hier abzunehmen gilt. Aber: laut! „Dying Song“, „Liberate“, „Yen“: Erstmal Meter machen, heißt das wohl.

Slipknot in Hamburg: Feuer-Fontänen und Wutklumpen in Liedform

Und es gibt Feuer-Fontänen, dass es noch ein bisschen wärmer und noch ein bisschen bierdurstiger wird, in der Wärmewanne von Stellingen. Wobei: Das mit dem Durst könnte auch von der miserablen Currywurst kommen, die im Rundlauf serviert wird. Mit Gummi-Pommes 7,50 Euro. Und mit ausreichend Ketchup wären die schön-hässlichen Slipknot-Shirts am Merch-Stand für 40 Euro vermutlich schmackhafter.

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Dann: „Psychosocial“. Ein wuchtig marschierender Schwergewichtsboxer, der im Refrain zur schwermütigen Pop-Hymne mit Schmelz und Theatralik wird. Immer, wenn bei Slipknot dieses Zusammenspiel aus tonaler Gewalt und catchy Melodie gelingt, dann versteht man, warum sie so verdammt groß geworden sind.

Slipknot in Hamburg: Nach 80 Minuten ist Schluss – eigentlich war auch alles gesagt

„Dankeschön, dankeschön“, sagt Taylor auf deutsch. „Geht es euch gut? Wir kommen seit mehr als 20 Jahren und ihr nehmt uns immer wieder freundlich auf.“ Und das stimmt. Und man zahlt sogar 130 Euro für ein Ticket. Der Clown, sagt Taylor, könne heute nicht dabei sein, er müsse sich um seine Frau kümmern, aber das laufe soweit okay. Er selbst aber sei stimmlich schon seit einiger Zeit nicht bei 100 Prozent und brauche deshalb beim nächsten Song Hilfe.

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Das klappt gut bei ,„Wait And Bleed“ und „Unsainted“. Und als dann bei „Snuff“ sogar die Feuerzeuge angehen dürfen und Taylor ganz ironiefrei schmelzt und Herzschmerz-singt, da versteht man auch das mit Blondie und Bowie vom Anfang. Sind halt Kinder der 80er, die Clowns und Helden von Slipknot. Der Mega-Hit „Duality“ noch, dieses meisterhafte Stück Metal zwischen Hochspannungsaufbau und ekstatischer Befreiung. Und „Spit It Out“. Dann ist Schluss. Nach 80 Minuten schon. War aber eigentlich auch alles gesagt.