Poisel-Konzert in Hamburg: Und plötzlich dreht sich der Sänger vom Mikrofon weg

Der Sound hallt leise durchs Kirchenschiff: Philipp Poisel in der Kulturkirche Altona.
Der Sound hallt leise durchs Kirchenschiff: Philipp Poisel in der Kulturkirche Altona.

Philipp Poisel mag es schlicht. Und er mag es akustisch. Beides zusammen funktioniert dann auch ganz gut in der Kulturkirche Altona am Montagabend. Dicht gedrängt sitzen die Menschen auf Kirchenbänken und Stühlen. Der 42-jährige Poisel hat den Gitarristen Andie Mette dabei, selbst eine Akustikgitarre und ein Keyboard, ansonsten nichts. Der Sound hallt leise durchs Kirchenschiff. Stimmungslicht auf der Bühne. Eine besondere Atmosphäre. Kein Wunder, dass das Konzert blitzschnell ausverkauft war.

Poisel eröffnet mit „10 Gründe“ und ist an diesem Abend gesprächig wie selten – allerdings auch hörbar erkältet. Immer wieder trinkt er Tee, einige Töne will seine Stimme einfach nicht hergeben. Zwischendurch dreht er sich weg und hustet. Ist aber vollkommen wumpe, das Publikum feiert ihn am Ende bei „Als gäb’s kein Morgen mehr“ stehend und tanzend. Bei vielen Liedern sieht man Menschen vor Rührung weinen.

500 Fans sind bei Poisel-Konzert in Hamburg

Zwischen ihm und den etwa 500 Fans passt es. Poisel erzählt ungewöhnlich viel Privates. Zum Beispiel über seine Mutter, die ihn auf Tour dauernd anruft. Oder über sein angeblich schlechtes Klavierspiel. Er vergleicht sich mit einem Piloten, dessen Boeing 747 abstürzt und der in einem Handbuch nachlesen muss, wie er die Katastrophe abwenden kann. Er selbst habe verschiedene Farben auf den Tasten. „Ich teste, was sich gut anhört. Hier sind auch verschiedene Grüntöne drauf“, sagt er und erntet Lacher.

Philipp Poisel in der Kulturkirche Altona.
Philipp Poisels „Adventskonzerte“ finden auf kleinen Bühnen oder in Kirchen statt. Offenbar genau sein Wohlfühlrahmen.

In Hamburg hat Poisel bereits alle größeren Locations (Sporthalle, Barclays Arena) bespielt. Die „Adventskonzerte“, wie er seine Wintertour nennt, finden überwiegend auf kleinen Bühnen oder eben in Kirchen statt. Offenbar genau sein Wohlfühlrahmen.

Philipp Poisel: Neuer Song heißt „Postkarte“

Was wiederum ganz lustig ist, denn Poisel wirkt häufig so, als ob er Nähe nicht so wirklich vertraut. Für einen Popstar ist er eher schüchtern. Genau das lieben aber seine Fans. Diesen melancholischen Typen, der so zerbrechlich über Liebesschmerz singt, wie es der deutsche Wortschatz zulässt. Und wie es auch kein anderer seiner Zunft vermag. Poisels Zeilen sind Liebesbriefe an die Liebe („Mit jedem deiner Fehler lieb‘ ich dich mehr“), seine Konzerte wie Pfannkuchen mit Zimt und Zucker – nicht sonderlich spektakulär, trotzdem ein Lieblingsgericht.

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Neben dem Repertoire an Mitsing-Liedern wie „Ich und Du“, „Halt mich“ und „Wo fängt dein Himmel an“ hat er mit „Postkarte“ auch ein neues Lied als Zugabe dabei. Darin singt er vom Wunsch, wieder frei zu sein und als Straßenmusiker in San Francisco Musik zu machen, ohne dass jemand ihn nach seiner Herkunft fragt. Man kann sich gut vorstellen, dass ihm das sogar noch besser gefällt als diese kleine Bühne in Altona.