Philipp Poisel live: Ganz großes Kino – äh, Theater!

Philipp Poisel singt in der Sporthalle.
Philipp Poisel singt in der Sporthalle.

In unruhigen Zeiten sind ruhige Konstanten ja relativ selten. Philipp Poisel ist da eine Ausnahme. Die Konzerte des 41 Jahre alten Stuttgarters sind eigentlich immer gleich – und vor allem wenig aufregend. Die Setlist, klar, die ändert sich, bei bisher lediglich vier Studioalben (Debüt: 2008) allerdings nur marginal. Der Auftritt in der Sporthalle am Mittwochabend ist dann auch recht ähnlich zu dem Akustik-Album seiner Platte „Neon“ – zum Glück!

Und doch ist an diesem Abend einiges anders als sonst. Der Innenraum ist bestuhlt, wie bei einem Theater wird vor Beginn des Konzerts mehrfach geläutet. Zur Verwunderung der Zuhörer gibt’s nach „Im Garten von Gettis“ auch eine Pause. Der Sänger selbst ist gesprächig, macht Witze über seine Fans, denen er graue Haare attestiert. Bei früheren Konzerten brachte der 41-Jährige ab und an kaum kein Wort heraus – außer gesanglich versteht sich.

Hamburgerin Alin Coen begleitet Phlipp Poisel

Philipp Poisel bei seinem Auftritt in der Sporthalle
Der Stuttgarter Sänger Philipp Poisel gemeinsam mit dem Neon Acoustic Orchestra und Alin Coen

Begleitet wird Poisel in Alsterdorf von einem elfköpfigen Orchester und der zauberhaften Alin Coen. Kontrabass, Streicher, Cello, Flügelhorn – alles astrein arrangiert. Bei „Zu weit“ verlässt der Singer-Songwriter dann auch mal die Bühne, um der Band das Rampenlicht zu überlassen – inklusive Saxofon-Solo.

Poisel ist der personifizierte Plattensprung, was wirklich nicht despektierlich gemeint ist. Er setzt eben auf Bewährtes, wiederholt die guten Momente. Auch die etwas unbeholfen wirkende Breakdance-Einlage, die er gegen Ende bei „Als gäb’s kein Morgen mehr“ einstreut, kennen die Fans natürlich.

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Das Erfolgsrezept des Stuttgarters ist, dass seine Musik Emotionen auslöst, ohne dass er dabei groß emotional sein muss. Poisel, offenes Hemd über einem T-Shirt, Jeans, ist keine mitreißende Rampensau, mag es eher leise. Kaum einer in Deutschland singt so gefühlvoll von Sehnsucht und Schmerz. Er ist dabei verlässlich, wie eine gemütliche Sofa-Serie, die man sich nach Feierabend ohne große Erwartungen reinzieht, aber auch nicht wegschaltet, weil es eben doch gut gemachte (musikalische) Unterhaltung ist.

Gänsehaut-Orchester in der Sporthalle in Hamburg

Die rund 2500 Fans in Alsterdorf mögen genau das. Diesen leicht verstrahlt wirkenden Typen da auf der Bühne, ein bisschen kauzig. Und seine Träume von „Toulouse“ und von „Wundern“, mit denen er den ersten Teil des Konzertes startet. Sie wollen kein Firlefanz und auch kein Halligalli. Sie wollen mehr kuscheln und weniger tanzen. Was sie halt an so einem Poisel-Abend bekommen.

Am Mittwoch nur noch schöner als sonst. Mit einem Gänsehaut-Orchester, etwas Smalltalk und ganz viel Gefühl. Etwas mehr als eine gute Vorabend-Serie. Ganz großes Kino, ähem, Theater nämlich.