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Nick Carter im Docks: 30 Jahre Liebe
Ein langes Intro ertönt. Und plötzlich steht Nick Carter da – oben auf der mit Neon beleuchteten Showtreppe – und singt einen der größten Hits der Backstreet Boys: „Larger Than Life“ sorgt dafür, dass die 1200 fast ausschließlich weiblichen Fans am Mittwoch im Docks keine Aufwärmphase brauchen in Sachen Stimmung. Und auch eine spezielle Danksagung hat der Familienvater in petto.
Vom ersten Moment singen und tanzen im Docks alle mit. Nick Carter selbst deutet dabei Choreografien der 1993 gegründeten Boyband an, bewegt sich ansonsten viel freier bei seinem Solo-Konzert der „Who I Am“-Tour. Seine Stimme sitzt noch nicht ganz da, wo sie sein soll. Am Ende des Eröffnungssongs steht er dennoch wie ein Rocky Balboa mit zum Himmel geballter Faust auf der Showtreppe.
So war das Hamburger Nick Carter-Konzert
Ein Bild mit Symbol-Charakter, denn Carter ist ein Stehaufmännchen, das jahrelange Alkoholexzesse hinter sich gelassen hat. Weiter schwelend: Die Missbrauchsvorwürfe, die in seinen Zwanzigern den Ursprung haben sollen.
Er trägt an diesem Abend ein pinkes Sakko, was stimmig ist, denn danach nimmt er das Publikum mit auf die Reise in die 1980er, „als die Musik gut war“, wie er meint. Das nachfolgende Stück sei eines seiner Lieblingslieder. „Come on, let’s go Hamburg!“, ruft er und stimmt das Cover von „Everybody Rules The World“ von Tears For Fears an, dann „Sunglasses At Night“ von Corey Hart, wofür er sich eine schwarze Sonnenbrille aufsetzt. Und ein Lied später gibt es auch „Don’t You (Forget About Me)“ aus dem Film „The Breakfast Club“ von ihm – mehr Achtziger geht wirklich nicht.
„Dankeschön, Hamburg!“, begrüßt der 44-jährige US-Amerikaner die Meute und bittet darum, für den nächsten Song „live auf Instagram“ zu gehen. Erst erzählt er aber, dass er mit der ausgewählten Musik die Geschichte seines Lebens erzählen wird. „Ich wurde am 28. Januar 1980 geboren… Ich war ein Achtziger-Baby! Und die Musik, die ihr gerade gehört habt, war die Musik, die mich inspiriert hat, um der Künstler zu werden, der ich heute bin.“
Backstreet Boys-Sänger: „Wir lieben euch so sehr, Deutschland“
Mit 12, fast 13 Jahren habe er dann die Backstreet Boys getroffen und in den Neunzigern selbst damit angefangen, Musik zu machen. „1995 oder 1996 kamen wir zum ersten Mal nach Deutschland. Und genau hier fingen die Backstreet Boys an. Wir können euch nicht genug danken für dieses Kapitel in unseren Leben. Wir lieben euch so sehr, Deutschland. Und egal, wo es mich in der Welt hinverschlägt, ich bin so dankbar, euch zu haben. Danke für all eure Liebe in den letzten 30 Jahren.“
Es folgt sein Solo-Song „I Got You“, für den er „live auf Instagram“ geht und sich auf dem Bühnenboden sitzend filmt. Das Publikum kann das Konzert nun aus der Realperspektive erleben oder über Instagram die Perspektive von Nick Carter einnehmen. Oben auf der Treppe thronen zwei Begleitmusiker: ein Drummer sowie ein Keyboarder und Gitarrist.
„Shape Of Your Heart“ widmet Carter den Fans. Die Klavier-Ballade „I Need You Tonight“ singen alle mit. Der Künstler trägt dazu mittlerweile eine graue Jeansjacke. „Diese alten Backstreet-Boys-Lieder zu singen fühlt sich besser an denn je“, stellt Carter fest und geht dann doch noch subtil auf die Anschuldigungen ein.
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„Ich habe vieles durchgemacht im Leben, ich habe vieles durchgemacht in den letzten Jahren. Ich will Danke sagen, Danke dafür, dass ihr immer hinter mir gestanden habt.“ „Superman“ sei jetzt das passende Lied dafür, findet er. Während seine Mitmusiker den Saal mit „Wonderwall“ von Oasis bei Laune halten, kommt Carter in Lederjacke und Jeanskluft auf die Bühne zurück und singt „Wanted Dead Or Alive“ von Bon Jovi.
„Gesucht, tot oder lebendig“ – ob es sich gerade so für ihn anfühlt? Rock steht seiner Stimme jedenfalls erstaunlich gut. Gegen Ende haut der beliebteste der Backstreet Boys noch die volle Ladung Hits raus: „Quit Playing Games (With My Heart)“, „Als Long As You Love Me“, „I Want It That Way“, „Everybody (Backstreet’s Back)“. Da bleiben keine Wünsche offen. Und am Ende hat man das Gefühl, dass auch Carter die Konzerte Seelenheil geben.