Nicht ohne meinen Stuhl: Extravagante Performance von Perfume Genius

Perfume Genius
Nicht ohne meinen Stuhl! Mike Hadreas alias Perfume Genius (Archivbild)

Mehr Tanztheater als Rockkonzert: Mike Hadreas, der 44-jährige US-Musiker, der unter dem Namen Perfume Genius auftritt, zeigt im Mojo Club vollen Körpereinsatz. Das wichtigste Requisit, neben seiner engelhaften Stimme: ein schwarzer Stuhl.

Ganz schön schüchtern, dieses Hamburger Publikum, findet Meg Duffy. Die Folk-Sängerin bestreitet mit ihrem Bandprojekt Hand Habits das Vorprogramm, erfährt dann aber von einem Zurufer: Ist völlig normal hier, Zurückhaltung ist schließlich Hamburgs 2. Vorname. Das kann man von der Bühnenshow von Mike Hadreas alias Perfume Genius nicht gerade behaupten: Im durchsichtigen Hemd und in Blue Jeans nutzt der US-Amerikaner den beengten Bühnenraum, den ihm seine vierköpfige Band (mit Ehemann und musikalischem Partner Alan Wyfels an den Keyboards) noch lässt, für eine beeindruckend Tanztheater-ähnliche Performance.

Dabei spielt ein handelsüblicher, schwarz lackierter Stuhl in der Bühnenmitte eine zentrale Rolle: Hadreas lässt sich dramatisch darauf fallen, dreht sich damit um die eigene Achse, gleitet an den Stuhlbeinen herunter wie in Zeitlupe, wickelt seinen schmalen Körper um den Stuhl, als sei der Fleisch gewordenes Paketband. „This is not a chair-y song“, kündigt er schmunzelnd eines seiner Lieder an, also: Flugs den Stuhl zur Seite geschoben, jetzt darf mit ausladenden Armbewegungen getanzt werden. Erstaunlich, wie ungebrochen Hadreas’ engelhafte Stimme bei dem massiven Körpereinsatz klingt.

Perfume Genius: Eine der wichtigsten queeren Stimmen Amerikas

Perfume Genius’ Debütalbum „Learning“ (2010) war noch reduzierter Lo-Fi-Piano-Folk. Auf seinem aktuellen, siebten Album „Glory“ reicht die musikalische Spannbreite von Pschedelic Rock bis Glam-Pop. Hadreas’ Texte handeln seit jeher von Selbstfindung, Schmerz und Sehnsucht, der 44-Jährige zählt mittlerweile zu den wichtigsten queeren Stimmen Amerikas. Er könne sich problemlos über die Bühne wälzen vor hunderten Leuten, aber wenn ein Nachbar bei ihm an der Tür klingelt, stelle er sich gern tot, hat er kürzlich in einem Interview gestanden.

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Wer könnte das besser nachvollziehen als die zurückhaltenden Menschen in Hamburg? Die feierten Perfume Genius nach 75 Minuten, für ihre Verhältnisse, geradezu euphorisch − verdient.