Moshpit und Crowdsurfer: Fontaines D.C. mit Mega-Show in Hamburg – Fans rasten aus
Es gibt da dieses ungeschriebene Gesetz bei Konzerten: Die Fotografen dürfen bei den ersten drei Songs ran. Weil dann auf der Bühne die Frisuren noch sitzen, die Klamotten noch trocken und die Gesichter frisch sind. Fontaines D.C. haben diese Regel bei ihrem Hamburg-Konzert am Montagabend einfach mal auf den Kopf gestellt: Die letzten drei Songs dürfen fotografiert werden, scheiß auf die Frisuren und den Schweiß. Fertigsein auf die heiße Art – das zeugt von Selbstbewusstsein.
Und das zu Recht. Vier Alben hat die Band aus Irland (D.C. steht für Dublin City) bislang rausgebracht, die aktuelle Platte erschien im August. Bis dahin hatte man dem Quintett gerne das Post-Punk-Label ans Revers geheftet, seit „Romance“ aber ist endgültig klar: Nee, so einfach ist das nicht. Fontaines D.C. machen kraftvollen, na ja, Rock, der mal ballert („Starburster“), mal nach viel zu großen Gefühlen klingt („In The Modern World“), der clever ist und catchy, der oszilliert ab Sekunde eins. Und der definitiv rausgewachsen ist aus den kleinen Clubs.
Fontaines D.C. zurück in Hamburg: Kraftvoller, cleverer Rock – beeindruckende Licht-Show
Das letzte Hamburg-Konzert gab’s vor zwei Jahren noch im Gruenspan, 2024 ist die Sporthalle gerade mal so groß genug. Fontaines D.C. inszenieren sich irgendwo zwischen minimalistisch und übergroß: Die Bühne leer bis auf Instrumente, hinten ein riesiges aufblasbares Herz, oben ein Schriftzug in Kleinbuchstaben – fontaines d.c. – und überall viel, viel Licht: Neongrün, Magenta-Pink, Orange, Blau, gleißendes Weiß. Es sieht permanent aus, als wäre jemandem schlecht geworden – aber hingucken muss man doch. Beeindruckend.
Den ersten Song des Abends, „Romance“, gibt’s hinter einem weißen Vorhang. Ein Dröhnen. Energetisch. Dunkel. Massiv. Und so, so laut. Der Vorhang fällt, das Publikum kreischt und singt ab da mit einer Stimme: „Dododoo“ und „Lalalaa“ bei „Jackie Down The Line“ (vom 2022er Album „Skinty Fia“), „What ya call it, what ya call it, what ya“ bei „Televised Mind“ vom Album „A Hero’s Death“ (2020) und „Life ain’t always empty! Life ain’t always empty!“ von der Single „A Hero’s Death“. Das Licht zuckt von Rot zu Blau und wieder von vorn, die Luft über der Bühne scheint sich auszudehnen und zusammenzuziehen. Energie sichtbar gemacht.
Energie springt aufs Publikum über: Hüpfen, Tanzen, Moshpit, Crowdsurfer!
Kurz darauf springt diese Energie komplett aufs Publikum über: Hüpfen, Tanzen, Moshpit, Crowdsurfer. Und auf der Bühne Sänger Grian Chatten mit seinem nicht zu bändigenden Bewegungsdrang. Linksrum, rechtsrum, die Hände fordernd Richtung Fans, auf die Monitorbox, zurück zum Schlagzeug und wieder ans Mikro. Viele Worte macht er dabei nicht („Hallo Hamburg, wie geht’s dir? Wir sind Fontaines D.C., wir kommen aus Irland“ – auf Deutsch!), aber wer braucht das schon? Man ist hier schließlich für die Musik. Für Songs wie „Here’s The Thing“, „Big“, „Nabokov“, „Favourite“ und „Starburster“. Und für diese unfassbare Kraft, die von jedem der Songs ausgeht.
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Sogar Elton John ist komplett verknallt in Fontaines D.C. („Sie sind zurzeit die beste Band überhaupt. Ihre Musik ist sehr, sehr besonders.“), beim Release-Konzert im August in London feierten Harry Styles und Cillian Murphy im Publikum. Das Album schoss an so ziemlich jede Charts-Spitze, die britische „GQ“ hat die Band mit einer langen Strecke gewürdigt (und sie für den „GQ Men Of The Year“-Award ins Rennen geschickt!) – und seit drei Tagen sind Fontaines D.C. für zwei Grammys nominiert: „Best Rock-Album“ und „Best Alternative Music Performance“ (für „Starburster“). Auf Instagram kommentieren sie selbst das schlicht mit einem Wort: „Grammys.“ Zeugt von Selbstbewusstsein. Zu Recht.