Mega-Ansturm: Thees Uhlmann in der Elphi – Standing Ovations und ein Wermutstropfen
Ein Mann, seine Gitarre und zwei Konzerte an einem Tag: Thees Uhlmann tritt doppelt in der Elbphilharmonie auf – und glänzt mal wieder als Geschichtenerzähler und Beobachter.
Der Große Saal der Elbphilharmonie, 2100 Leute gehen rein, ist voll bis unters Dach. Anscheinend haben es alle rechtzeitig geschafft: Mehrmals hatten Thees Uhlmann und sein Label Grand Hotel van Cleef über Social Media dazu aufgerufen, sich auf jeden Fall früh genug auf den Weg zu machen. Wetterchaos und so.
In weißen Turnschuhen, Blue Jeans und dunklem Sakko betritt Uhlmann die Bühne und begrüßt erst einmal diverse Freunde, die eine Odyssee durchs eingeschneite Land unternommen haben, um nach Hamburg zu gelangen. Selten passte seine Zeile „Wie sieht’s aus in Hamburg, ist das Wetter noch intensiv?“ so gut.
So geht es weiter: Nahezu jeden seiner Songs widmet der Sänger Familie, Freunden, Wegbegleitern oder einfach Zufallsbekanntschaften, die ihn etwas über das Leben gelehrt haben. Uhlmann ist jemand, der weiß, wo er herkommt und damit offen umgeht.
Thees Uhlmann: Seine Stärke sind die kleinen großen Geschichten
Ohnehin sind seine Stärke die kleinen großen Geschichten, von denen es auf seinen Konzerten viele (und immer neue) zu hören gibt. Manche erzählt Thees Uhlmann mit seiner Gitarre, die von dem Fahrer, der Frauen nach Hiphop-Videodrehs nach Hause fährt zum Beispiel. Andere gibt er in seinen Ansagen zwischen den Stücken zum Besten: von Fußballspielen in Bielefeld oder Bekanntschaften im Fitnessstudio. Wieder einmal macht Uhlmann seinem Ruf als einer der begnadetsten Storyteller der deutschsprachigen Musik alle Ehre.
Riesengroßer Ansturm auf das Konzert in der Elbphilharmonie
Riesengroß war der Ansturm auf das Konzert in der Elbphilharmonie. Bei einem Publikum, das eher bei Clubkonzerten Erfüllung findet, ist der teure Bau nicht nur beliebt. Aber wenn einer der Großen des deutschen Rock’n’Roll dort spielt, muss man eben hin. Das dachten sich so viele, dass Uhlmann am Nachmittag sogar noch ein (natürlich ebenfalls ausverkauftes) Zusatzkonzert einschob. Immerhin: Das Spiel seines FC St. Pauli verpasste er dadurch nicht. Wetterchaos und so.
Die unperfekten Momente machen Uhlmann liebenswürdig
Auf einer Bühne, auf der viele Künstler nach einer makellosen Darbietung streben, sind es bei dem Musiker aus Hemmoor gerade die unperfekten Momente, die ihn sympathisch, ja sogar liebenswürdig machen. Ein Stück unterbricht er, um ausführlich den Hintergrund einer einzelnen Zeile zu erklären (den Kraftwerk-Jingle für die Expo 2000). Immer mal wieder dauert das Stimmen der Gitarre etwas länger, und Uhlmann muss vom Wasser aufstoßen: „Zu viel Luft im Körper.“
Musikalisch bietet der Sänger eine Werkschau, wie man wohl in der Elbphilharmonie sagen würde. System hat die Reihenfolge der Songs nicht, es gibt Lieder von den Solo-Platten, aus der Zeit seiner Band Tomte und etwas „für Kenner“ aus dem Archiv. Etwas in die Länge wird die Show durch einen Freiwilligen gezogen, der bei „Römer am Ende Roms“ Mundharmonika spielen darf und Startschwierigkeiten mit dem Instrument hat.
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Am Ende, eine halbe Stunde später als geplant, gibt es Standing Ovations und langen Applaus – und natürlich „Schönheit der Chance“, den Tomte-Song, der die Welt immer ein wenig in Ordnung bringt. „Ich habe zweimal in der Elphi gespielt und ihr wart dabei“, ruft Thees Uhlmann stolz und auch ein bisschen ungläubig. Kleiner Wermutstropfen: Die Aftershow-Party fällt aus. Wetterchaos und so.