Matt Berninger feiert Solo-Show in Hamburg – doch irgendwas fehlt

Mit Sakko und Anzughose: Matt Berninger in der Großen Freiheit.
Mit Sakko und Anzughose: Matt Berninger in der Großen Freiheit.

Mit Sakko, Anzughose, grau melierten Haaren und Drink in der Hand sieht Matt Berninger aus wie die verkörperte Midlife-Crisis. Und klingt auch so, im besten Sinne. Die großen Emotionen kann er damit aber nicht wecken.

Wer früh genug in der Großen Freiheit 36 ist, kann die Zugabe schon 40 Minuten vor dem eigentlichen Konzert erleben. Berninger kommt bereits während des Auftritts von Support-Act Ronboy auf die Bühne und singt mit ihr einen Song. Mit seiner Band The National hat er schon auf fast allen großen Bühnen gestanden. Trotzdem sind die Konzerte, die er gerade spielt, ganz besonders.

Matt Berninger: Zwischen Farm-Erinnerungen und Feingefühl

Endlich nämlich steht Berninger mit seinen Solo-Songs auf der Bühne. Vor fünf Jahren gewissermaßen selbstständig gemacht. Doch sein erstes Solo-Album fiel mitten in die Corona-Zeit, der Lockdown verhinderte eine Tour. Jetzt ist der 54-Jährige mit seiner zweiten Solo-Platte unterwegs. So groß ist der Unterschied zu seinen Konzerten mit der Band nicht, aber er ist doch merkbar. Das Setting ist intimer, der Sound reduzierter, die Texte noch etwas introspektiver und persönlicher. Es geht viel um seine Kindheitserlebnisse auf der Farm seines Onkels in Indiana, lässt Berninger gleich am Anfang wissen.

Julia Laws alias Ronboy am Keyboard
Julia Laws alias Ronboy am Keyboard.

„Ich schreie niemanden an, das gehört alles zum Song“

Was immer gleich bleibt: sein gravitätischer Bariton, der eigentlich als eigenes Instrument durchgeht. Mit dieser Stimme experimentiert Berninger auch gerne mal, wie beim durchaus gewöhnungsbedürftigen „Nowhere Special“. Ein Mix aus Sprechgesang, rohen Emotionen und stream-of-consciousness. Matt Berninger warnt zur Sicherheit vorher: „Ich schreie niemanden an, das gehört alles zum Song.“

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Für seine exzentrische Art auf der Bühne ist der Indie-Rock-Veteran bekannt, seine Songs untermalt er gern mit einer Art Ausdruckstanz, in seinen Bewegungen nimmt er die Liedtexte auf. Mit dabei auf der Bühne: Produzent und Co-Songwriter Sean O’Brien sowie Julia Laws alias Ronboy am Keyboard, die den Abend eröffnet hat. Laws entpuppt sich als Goldgriff. Bei vielen Songs singt sie die Zweitstimme und verleiht den Stücken dadurch noch einmal eine ganz besondere Note.

Die großen Emotionen kann Matt Berninger lange nicht wecken

Die großen Emotionen wollen aber lange nicht so recht aufkommen. Irgendwas fehlt. Bis das kommt, worauf viele gewartet haben: Berninger baut zwei Songs seiner „Lieblingsband“ The National ins Set ein. Wobei das die größte Herausforderung des Abends gewesen sein dürfte – aus dem mittlerweile zehn Studioalben umfassenden Gesamtwerk seiner Band zwei Stücke auszusuchen. Er entscheidet sich für „Gospel“ und „Terrible Love“. Da gehen endlich die Hände hoch, die Fans singen mit, manche springen sogar.

Matt Berninger, das ist eben vor allem doch The National. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Mit Sakko, Anzughose, grau melierten Haaren und Drink in der Hand sieht Matt Berninger aus wie die verkörperte Midlife-Crisis. Und klingt auch so, im besten Sinne. Die großen Emotionen kann er damit aber nicht wecken.