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Madness im Stadtpark: So kriminell gut, dass sogar „Bobbies“ anrücken...   

Sänger im dunklen Anzug performt auf der Bühne vor Mikrofonen und Schlagzeug.
Sänger Graham McPherson, besser bekannt unter dem Namen Suggs, tanzte ausgelassen.

Britischer Ska, trockener Humor und jede Menge gute Laune – trotz Wolkenbruchs. Madness begeisterte im Stadtpark.

Während auf St. Pauli und im Volksparkstadion am Sonnabend der Schlager dominiert, beglückt die britische Kapelle Madness im Stadtpark das Publikum mit feinsten Ska-Rhythmen.

Es hätte nicht besser inszeniert werden können: Von oben schüttet es am Samstagabend plötzlich wie aus Eimern, und Madness setzen bei ihrem Konzert im Rahmen des Stadtpark-Open-Airs gerade zum sechsten Song an, der 1983 erschienenen Single „The Sun And The Rain“. Auf der Leinwand hinter ihnen wird dazu ihr heute nostalgisch anmutender Videoclip von einst gezeigt. Die noch blutjunge Band trägt darin Regenschirme als Hüte und tanzt feucht-fröhlich durch London, umgeben von ihren Fans.

Trotz Regen-Show: Madness' Musikstil trägt den Sonnenschein im Herzen

Auch den Hamburgern kann der Guss nicht die Laune verderben – das würde Sänger Graham McPherson, besser bekannt unter dem Namen Suggs, auch gar nicht hinnehmen. „Geht’s euch gut dahinten? Seid ihr da drüben okay?“, vergewissert er sich und winkt. „Das ist so wunderschön, einfach brillant. Was kann Freunden so ein bisschen Regen schon anhaben? Fucking Sunshine! Wer braucht den schon! Waren hier nicht letzte Woche 48 Grad? Das ist doch nicht richtig, oder?“ Suggs trägt schwarze Sonnenbrille und zeigt Richtung dunkler Wolken. „So ist es richtig hier in Deutschland.“ So pragmatisch wurde den Zuschauern wohl noch nie Regen verkauft!

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Er selbst traut sich in seinem dunklen Anzug trotzdem nicht raus aus der Trockenzone der überdachten Bühne, tanzt dafür aber recht ausgelassen. Saxofonist Lee „Kix“ Thompson macht sich indes gerne nass, begibt sich mit seinem Instrument auf den Rasen in die Nähe der Fans. Letztendlich trägt Madness‘ Mischung aus Pop und Ska, jenem tanzbaren und aus Jamaika importierten Musikstil im 4/4-Takt, sowieso den Sonnenschein im Herzen. Die Gruppe gehört seit 1976 zu den wichtigsten Vertretern des Ska-Genres.

Mit goldenen Glitzer-Sakkos und Bläser-Trio auf der Bühne

Neun Leute schart Suggs um sich auf der Bühne, darunter ein in goldenen Glitzer-Sakkos gekleidetes Bläser-Trio. Das sieht nicht nur stilsicher aus, sondern klingt auch so. Suggs Ansagen sind unterhaltsam und gern mal gespickt mit Gesellschaftskritik. Doch erstmal zitiert er den „großen Philosophen“ Mick Jagger und imitiert dabei dessen Tanzgebärden – und das gar nicht mal schlecht. Jagger habe mal gesagt: „The only performance that makes it is the one that achieves madness.“ (zu deutsch: Die einzige Darbietung, die Bestand hat, ist jene, die den Wahnsinn erreicht.) Das hat Suggs einfach mal wortwörtlich genommen und auf die eigene Band bezogen.

Madness auf einer Konzertbühne mit Schlagzeug, Percussion und großem LED-Schriftzug im Hintergrund.
„The only performance that makes it is the one that achieves madness“ – das hat Suggs einfach mal wortwörtlich genommen.

Mit „NW5“ gibt es ein Stück mit Reminiszenz an den Nord-Londoner Bezirk Camden, dem Madness sich so sehr verbunden fühlen. Vor „Wings Of A Dove“ fragt Suggs ins Rund: „Erinnert ihr euch noch an Peace & Love? Natürlich nicht. Wie lange ist das her.“ Traurig, aber wahr! Mal singt Suggs die Beatles mit „She Loves You“ an und faselt irgendwas davon, wie er mal aus dem Hamburger Star-Club gestolpert sei. Mal huldigt er dem jamaikanischen Sänger Prince Buster, der großen Einfluss auf Madness hatte. Vor „Mr. Apples“ meint er mit ironischem Unterton, wie großartig und geradeaus die deutschen Politiker im Vergleich zu den korrupten britischen Volksvertretern doch wären.

Suggs: „Wir fühlen die Liebe, Hamburg!“

Immer wieder gerne neckt Suggs Gründungsmitglied Lee „Kix“ Thompson zu seiner Rechten. „Wenn es die Musik nicht gäbe, wären wir Kriminelle geworden – einige mehr als andere“, meint Suggs und zeigt auf den Kollegen. Bei „Shut Up“ kehrt dieser in gestreiftem Sträflingspulli auf die Bühne zurück, Bobbies (eigentlich verkleidete Crewmitglieder) prügeln mit Stöcken auf ihn ein. „Harder!“, feuert Suggs die Bobbies an. Der Song von 1981 erzählt die Story eines Kriminellen, der seine Unschuld beweisen will.

Band auf Open-Air-Bühne mit Scheinwerfern, Nebel und großer LED-Wand
Neun Leute schart Suggs um sich auf der Bühne, darunter ein in goldenen Glitzer-Sakkos gekleidetes Bläser-Trio.

Höchste Zeit, um die ganz großen Madness-Hits unters Volk zu bringen: „House Of Fun“ heizt dem Publikum ein. Vor „Baggy Trousers“ fragt Suggs einen Jungen in der ersten Reihe, den er liebevoll mit „Sonnenschein“ anspricht, ob er gut in der Schule sei. Der bejaht. „Eine gute Ausbildung ist wichtig, sonst endest du wie der hier.“ Und wieder mal bekommt Thompson sein Fett weg. „Our House“, dekoriert mit einer Spoken-Word-Sequenz, kommt recht routiniert rüber, aber jeder im grünen Rund kennt den Text.

Richtig schön wird es mit „It Must Be Love“ und den vielen Herzen auf der Leinwand. Das Lied wurde 2007 als Titelsong für den deutschen Kinofilm „Neues vom Wixxer“ verwendet. Die Band hatte dafür sogar ein spezielles Musikvideo mit den Hauptdarstellern Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka gedreht. Das Publikum singt und klatscht dazu hingebungsvoll mit. „Wir fühlen die Liebe, Hamburg!“, meint Suggs. „Es ist ein Privileg, für euch zu spielen.“ Und das war es auch, Madness zuzuhören. 

Während auf St. Pauli und im Volksparkstadion am Sonnabend der Schlager dominiert, beglückt die britische Kapelle Madness im Stadtpark das Publikum mit feinsten Ska-Rhythmen.

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